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Guten Abend, heute ist der 19. 08. 2019
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Das Stift

Wer heute die Pfarrkirche St. Lambertus besucht, findet vor dem Westportal die alte Sturmglocke aus dem Jahr 1643 . Das untere Schriftband trägt einige Namen, darunter den des Glockengießers und zweier Evangelischer, nämlich des Pfarrers Johannes Natorp und seines Kirchmeisters Caspar Temmesfeld.

Die -während des 30jährigen Krieges für die Stiftskirche gegossene- Glocke belegt, was 1660 die Pröpstin des Rellinghauser Damenstiftes, Gräfin Anna Isabella von Vellbrück rückblickend in ihrer Chronik mit den folgenden Worten umschreibt: "Im Kapitel von Rellinghausen fand sich keiner, welcher der katholischen Wahrheit eingedenk blieb, sondern alle stürzten sich jählings und freiwillig in das geistliche und zeitliche Verderben Leibes und der Seele".

Bauernschaft, Landadel und Stift waren zum evangelischen Glauben übergetreten. Das im westfälischen Friedensschluss von 1648 angesetzte "Normaljahr" versetzte dieser gefestigten protestantischen Praxis ein jähes Ende. Es wurde mit 1624 festgesetzt. Zu dieser Zeit waren die Stiftsgebiete von spanischen Truppen besetzt mit der Folge, dass nun, wie die "Informatio" der Anna Isabella von Vellbrück weiter ausführt: "alle Canonissen und Canoniker den römisch-katholischen Glauben wieder angenommen und bekannt haben".

Den verbliebenen Evangelischen der Bauernschaft Rellinghausen, deren räumliche Ausdehnung weit über die Ruhr hinaus reichte und auch das heutige Bergerhausen einschloss, blieben karge Zeiten ohne Pfarrkirche und mit teils vertriebenen Pfarrern. Die Schenke "Cremer's Hof" diente ebenso als Gottesdienststätte wie die über der Ruhr gelegenen Feldstücke "Mönkhoffs Busch" und "Wittgens Busch", wo unter freiem Himmel Gottesdienste gehalten wurden. Grundsätzlich aber konnte geregelt werden, dass den Evangelischen am Ort das Läuterecht der Pfarrkirche zugestanden blieb, der Zugang zum Friedhof offen stand und die Gestellung von Brot und Wein zur Feier des Heiligen Abendmahls weiter zuerkannt wurde.

Reformation 1825

"Je näher wir Christus kommen, um so näher kommen wir auch einander"

Pfarrer Beckmannshagen schreibt in seiner Nachbetrachtung zur Gemeindegeschichte Ende der 70'ger Jahre: " Wir können dieses Kapitel der kirchlichen Auseinandersetzungen im 17. Und 18. Jahrhundert nicht abschließen, ohne Gott, dem Herrn der Kirche von Herzen dafür zu danken, dass die Zeiten endgültig vorbei sind, in denen für Katholiken ein Protestant als Glaubensabtrünniger galt. Und ein evangelischer Christ sieht nicht wie früher in der katholischen Kirche " Erzverderber der biblischen Botschaft." Unter Berufung auf ein Wort des Papst Johannes XXIII fährt er dann fort: "Je näher wir Christus kommen, um so näher kommen wir auch einander".

Von ihren Ursprüngen her lutherisch, stand die Rellinghauser evangelische Gemeinde den von Zwingli und Calvin herkommenden "Reformierten" stets offen gegenüber. So wundert es nicht, wenn die Rellinghauser Gemeinde die vom preußischen König Wilhelm III. als obersten Bischof in den preußischen Landen ausgerufene UNION umgehend befolgten und dafür 1825 prompt eine Münze zum Gedenken erhielt, die lange Zeit das Abendmahlsgerät schmückte.

1874 teilte sich die Gemeinde und der Ortsteil Hinsel und Holthausen, heute (Überruhr) wurde selbständig. Bis 1913 kam dafür Heisingen in einen Verbund mit der Rellinghauser Gemeinde. Im Jahr 1960 erhielt auch die Gemeinde Bergerhausen die Selbstständigkeit.

Bergbau 1892

Bergbau sorgt für Wachstum

Zahlenmäßig aber sorgte der Bergbau für ein immenses Wachstum innerhalb der Bürgerschaft Rellinghausen und auch der evangelischen Gemeinde. 1892 gehörten ihr 800 Glieder an, 1935 waren es 8000. Mit der Gründung der Gottfried Wilhelm Siedlung hieß es sich fortan mit der sozialdemokratisch und nicht selten kommunistisch eingestellten Arbeiterklasse auseinander zusetzen, deren Lebenswelt nur allzu leicht als Bedrohung "der bürgerlichen und vaterländischen Gesinnung" verstanden wurde. Man beschloss den Neubau einer imposanten Kirche mit über 1150 Plätzen, der jedoch wegen des 1. Weltkrieges nicht zur Ausführung kam.

1935 bis heute

Bau der neuen Kirche 1935

Erst 1935 konnte der Spatenstich zu einer neuen und größeren Kirche an der Oberstraße begonnen werden. Seinerzeit war sie eine der modernsten ihrer Art und steht heute als einzig verbliebener Kirchbau dieser Epoche unter Denkmalschutz. Es herrschte der Kampf zwischen den "deutschen Christen" und der bekennenden Kirche, der auch in Rellinghausen ausgetragen wurde, wenn auch nicht so unversöhnlich, dass man sich nach der Heimkehr der Pfarrer aus dem Krieg nicht unter neuen Vorzeichen wieder hätte zusammenfinden können. Die Zeugnisse aus dieser Zeit lassen erkennen, dass zum einen auch in Rellinghausen die Fahne mit dem Hakenkreuz vom Turm herabhing und mancher evangelische Christ sich vom Führer verführen ließ. Aber auch die andere Fraktion, die sich zur bekennende Kirche hielt, hatte ihre Vertreter in der Gemeinde, wie beispielsweise von Pfarrer Immanuel Pack berichtet wird, dass er den Eid auf den Führer versagte. Ebenso wirkte der unter die illegalen Vikare und Hilfsprediger zu rechnende Vikar Helmut Neuse in damaliger Zeit in Rellinghausen aus deren Gruppe auch der spätere Pfarrer der Gemeinde, Wolfgang Scherffig stammte.

VERBUM DEI MANET IN AETERNUM

Pfarrer Beckmannshagen stellt in seiner kurzen Gemeindechronik abschließend fest: "In der 400jährigen Geschichte unserer Gemeinde wurde gebaut und wieder abgerissen, was gebaut wurde. Auch die Boten des Evangeliums kamen und gingen wieder. Aber die Botschaft ist geblieben und wird bleiben, wie es im Schalldeckel der alten Kanzel zu lesen ist:

"VERBUM DEI MANET IN AETERNUM - Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit"

Quelle: Beckmannshagen, Ernst August: Unsere Kirchengemeinde im Wandel der Zeit, hg. vom Presbyterium d. Ev. Kirchengemeinde Essen-Rellinghausen, Essen-Rellinghausen 1985, 80 S.

Lebendige Gemeinde

Weil eine Kirchengemeinde mit den Menschen lebt, die sich in ihr sammeln, ist es unser Anliegen immer wieder neu danach zu fragen, was es heißt, in unserer Zeit als Christen zu leben. Denn die Zeiten ändern sich und ebenso ändern sich die Herausforderungen des Alltags
     
So ist ein eigener Raum für kleine Kinder entstanden und es wurde ein Platz mit Spielteppich und Stofftieren für Kinder in der Kirche reserviert. Wir haben die Bänke verkürzt und beweglich gemacht, so dass wir sie jetzt variabel aufstellen können. Dadurch ist an den Seitenwänden Platz entstanden, den wir für Ausstellungen nutzen wollen.
     
Ebenso wurde vorne die Brüstung abgesenkt und der Altarraum geöffnet, so dass die Klavierbegleitung moderner Lieder ihren Ort hat. Dort, wo einst die Evangelisten an den Stirnwänden zu sehen waren, finden sich heute gerne einmal mit Overhead-Projektor an die Wand projizierte Bilder. Vorne hat die Musik mehr Raum erhalten, so dass jetzt der Kinderchor, die Instrumentalisten und die Bläser ausreichend Platz vorfinden, wenn sie im Gottesdienst mitwirken.

2010 Kirchenjubiläum

»Tut mir auf die schöne Pforte«

2010 wird unsere Kirche 75 Jahre alt
von Walter Gerschler

Vor rund 75 Jahren, genauer gesagt am Sonntag, dem 24. März 1935, zog die evangelische Gemeinde Rellinghausen, diesen Choral singend, erstmals in ihre neu erbaute, unsere heutige Kirche ein. Aus der alten Kirche, liebevoll »unser Kirchlein« genannt, war es eine kurze Prozession.

Beide Kirchen standen nahezu Wand an Wand nebeneinander. Die alte hatte ihre Pforte an der Bodelschwinghstraße, dort, wo die inzwischen dicken Bäume den Parkplatz »stören«. Die neue wurde und wird von der Oberstraße betreten, und eigentlich gehört der Aufstieg über eine breite Freitreppe von der Frankenstraße herauf zum feierlichen Zugang dazu. So hatte es sich der Architekt jedenfalls vorgestellt.

Das »Kirchlein« seinerseits war am 1. November 1775 in den Dienst genommen worden, und deshalb war sein alljährlich gefeierter Geburtstag zum 150sten, im Herbst 1925, besonders feierlich mit einem großen Gemeindefest begangen worden.

Die – dürftige – Dokumentation dieses Festes im Gemeindearchiv lässt nicht erkennen, dass man sich da schon seit 30 Jahren mit Neubauplänen befasst hatte, sehr konkret übrigens. Die Gemeinde war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von 800 auf 8000 Seelen angewachsen.

Bis zu fünf Pfarrstellen waren nötig und eingerichtet. Die fertigen Planungen für einen neuen Bau auf der Freifläche vor unserem heutigen Gemeindehaus wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und durch die nachfolgenden Wirtschafts- und Geldkrisen erledigt. Vor allem aber ist 1925 nirgends angedeutet, dass das »liebe« Kirchlein schon knapp 10 Jahre später schnöde abgerissen werden würde.

Ehe es am 3. August 1934 zur Grundsteinlegung für unsere heutige Kirche kam, waren unterschiedlichste Alternativen diskutiert worden, auch in der regionalen Presse und auch unter Denkmalschutzaspekten.

Ein Gedanke sah den Bau einer Zweitkirche im neu aufgesiedelten Stadtwald vor, wie ihn damals schon die katholische Nachbarkirche plante und 1958 in St. Theresien verwirklichte.

Die Gestalt unseres Kirchbaus repräsentiert die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Das »Dritte Reich« ist, mit aller Vorsicht, als Zeitgeist im Bau nicht zu leugnen. Das darf nicht verwundern, wenn man die verschlungenen Planungs- und Entscheidungs- Gremien und -Wege bedenkt. Das Rheinische Landeskirchenamt, damals noch in Koblenz, genehmigte den Plan mit der westlich angebauten Erinnerungskapelle zur Aufnahme der dem Amt wichtigen musealen Stücke aus der Vorgängerkirche: Altar, Kanzel mit Deckel, Taufstein und Leuchter.

Eine Konservierung des spätbarocken Ensembles an Ort und Stelle mit der Orgel als Krönung durch Rückbau des »Kirchleins« zu einer oktogonalen, freistehenden Kapelle – etwa an der Stelle unseres heutigen Kirchen-Seiteneingangs – wurde zwar bedacht, aber dazu reichten die Mittel nicht und wohl auch nicht der Wille.