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Guten Abend, heute ist der 19. 08. 2019

Gedenkgottesdienst für verwaiste Eltern 2016

Rainer Sturm  / pixelio.de
Rainer Sturm / pixelio.de

[Download: Ansprache Pfarrer Volke]

Liebe Familien,
wenn wir heute einmal –angeregt von diesem Foto- eine Bank in die Mitte stellen, um Sie einzuladen, mit uns die-sen Platz zu finden, der Ihr Platz sein könnte an diesem Abend –und auch später noch, dann wird es doch nicht für alle die gleiche Bank sein, auf der jeder man selber Platz nehmen wollte. Schon die Gedanken aus der Gruppe haben gezeigt, wie bestimmte Erinnerungen und Bilder mit einem mitgehen – die schmerzlichen Erfahrungen allemal- um selbst nach Jahren wieder vor Augen zu treten, wenn wirklich einmal eine Bank dasteht, um auf ihr Platz zu nehmen.


So geht doch auch ihr Kind, das nicht mehr bei Ihnen sein darf, weiter mit Ihnen mit, weil es doch im Herzen bei Ihnen ist. Darum kann solch eine Bank, wenn man sie für sich ausgespäht hat, unverhofft zu einer Bank für zwei werden. Eine Gelegenheit für ein Zwiegespräch, das man nur für sich mit seinem Kind hält, oder das man nur mit dem Bruder und der Schwester wie auch mit dem verstorbenen Enkel führen kann. Dann ist diese Bank un-verhofft der Ort, sich zu erzählen, wie es weitergegangen ist. Vielleicht auch ein Ort, um die Gedanken ausschwei-fen zu lassen, um es zu wagen, sich vorzustellen, was heute wäre, wenn man weiter hätte zusammenbleiben dürfen.


Den Stimmen, die auftauchen und warnend auf die Realität zeigen, wo man sich doch gerade erst eine Schutzhaut geschaffen hat, um den Schmerz nicht immerzu verspüren zu müssen, diesen Stimmen darf man dann auf der Bank dort sagen: „Ich weiß es doch wie es ist! Aber ich brauche hin und wieder auch einen Ort um die Liebe zu spüren, einen Ort für die im Alltag verbotenen Gedanken, einen Ort, um nachzuschauen, wie es heute in mir aussieht über allem, was ist. Da kann solch eine Bank wichtig werden weil sie mir Zeit gibt und nicht drängelt. Sie möchte ja, dass ich bleibe solange es gut tut, sich diese Zeit zu nehmen, ganz für sich selbst.


Darf ich heute vorsichtig einmal fragen: Gibt es da eine solche Bank bei Ihnen? Kennen Sie den Ort, wo sie steht? Waren Sie vielleicht gerade erst dort? Oder überlegen Sie gerade, wann Sie wieder einmal hingehen um diesen Ort zu haben, wo Ihr Kind bei Ihnen Platz nehmen darf um sich für einen Moment aneinander zu kuscheln und sich zu versichern, dass man sich weiter lieb hat und beieinander bleiben wird, weil einer den anderen niemals vergisst? Solch eine Bank aber ist ein geheimer Ort, ein Ort zum Atemschöpfen, ein Ort um ihn einzig mit seinem verstorbenen Kind zu teilen, ein Geheimplatz zu zweit.


Schön, wenn Sie diesen Ort heute bei uns in diesem Gottesdienst finden. Gut, wenn sie ihn auch im Alltag gefunden haben. Aber vielleicht haben Sie es auch so erlebt, dass dort, wo Sie ihn gesucht haben, nicht die richtige Stelle war. Vielleicht weil noch alles zu frisch ist und sich überhaupt noch kein klarer Gedanke wieder hat fassen lassen? Oder dass man meinte, es ginge mit dem Partner und der ganzen Familie am besten zusammen, so dass sie nach dem Ort gesucht haben, um für alle die gleiche Bank einzurichten. Und dann hat sich gezeigt, dass wir doch alle verschieden sind, als Eltern wie als Jugendliche und als Geschwisterkinder und Großeltern. Vor
allem aber als Mann und als Frau, als Partner, die sich einmal versprochen hatten, zusammen zu bleiben an den guten und an den schweren Tagen.


Dann ist es gut, sich eine eigene Bank zu suchen. Und später mag man sich einmal erzählen, wie man es macht und wie es einem geholfen hat, weiter zu kommen. Und dann kann es sein, dass einem sein Partner ganz ähnliche Dinge erzählt, nur eben von einer ganz anderen Bank, die er sich gesucht hat.


Wir wollen doch leben, -weiter leben- zumindest dahin finden, auch wieder einmal froh mitein-ander zu sein. Und dafür sammeln wir auch an diesem Abend unsere Kräfte, um die Weih-nachtstage zu bestehen. Und in das neue Jahr soll nicht ohne die Zusage beginnen, dass es unter den dunklen Tagen auch jene anderen Tage gibt, wo Sie Ihrem Kind beim nächsten Treffen auf der geheimen Bank zuflüstern können, dass es ein guter Tag war, unverhofft aber doch schön.


Wir wollen darum auch heute hier in unserer Kirche einen Ort des Gedenkens anbieten. Einen Ort, wo der Name jedes Kindes genannt werden darf und bis in die kommenden Weihnachtstage eine Bleibe hat.
Wir geben die Kinder damit zu Gott und stellen uns an die Seite der Mutter Jesu, die doch zu einer verwaisten Mutter wurde und ihren erstgeborenen Sohn zu betrauern hatte. Wir werden den kleinen Tannenbaum mit den Sternen dem großen Tannenbaum an die Seite stellen und Sie mit Ihren Familien in unsere Fürbitte aufnehmen.
Ein Licht aber braucht heute für sich selbst und jeder mag es dort entzünden, dort wo Sie das Gefühl haben, dass es wiedergibt, was Sie empfinden. Dann soll es an dieser Stelle heute Abend hell werden.
Geteiltes Brot aber ist geteilte Hoffnung. Darum möchten wir auch mit Ihnen ein Stück Brot teilen. Es soll für die Kraft stehen, die jeder von uns braucht, gerade auch wenn wir nun auf die Weihnachtstage zugehen. Denn wir sind Gottes Kinder und bleiben Kinder Gottes, was immer auch mit uns auf unserem Lebensweg geschieht.
Amen.