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Pfarrer Dr. Gotthard Oblau: Predigt am 25. Dezember 2018

„Gottes Ja-Wort zu Weihnachten“

© Olga Meier Sander / pixelio.de

© Olga Meier Sander / pixelio.de

„Gottes Ja-Wort zu Weihnachten“

Predigt am 25. Dezember 2018

in der Evangelischen Kirche Essen-Rellinghausen

Pfarrer Dr. Gotthard Oblau

Liebe Gemeinde,

kein Mensch wird einfach so geboren, aus dem Nichts heraus. So was bahnt sich an, das hat eine Vorgeschichte. Da gibt’s Vorfahren, Stammbäume. Da gibt’s Erwartungen und Sehnsüchte. Da ist ein Erbe anzutreten.

Die Geschichte eines Menschen beginnt schon vor der Geburt. Auch die Geschichte von Jesus, sie beginnt lange vor Weihnachten.  

Im Neuen Testament gibt es vier Evangelisten, die alle von Jesus erzählen. Und alle Vier standen vor der Frage: „Wo sollen wir anfangen mit dem Erzählen? „Fang vorne an“, bitten die Leute. „Ja klar, aber wo ist vorne?“

Für den Evangelisten Markus fängt es an mit der Befreiung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft in Babylon. Die setzt das Thema. Auf der Spur tritt Jesus auf.

Matthäus beginnt mit einem Stammbaum von Jesus, der geht auf Abraham zurück, Israels Erzvater, den Segensträger. Jesus ist ein Sohn Abrahams, er bringt Gottes Segen für alle Welt.  

Der Evangelist Lukas greift noch weiter zurück. Sein Stammbaum fängt bei Adam an. Adam, der alte Mensch, der das Paradies verspielt und die Menschheit ins Unglück gestürzt hat. Aber jetzt kommt Jesus, der neue Adam, und schließt uns das Paradies wieder auf. Wir haben das eben gesungen: Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis.   

Johannes, der vierte Evangelist, spannt den Bogen noch weiter. Bei ihm beginnt die Jesusgeschichte ganz am Anfang. Schon bei der Schöpfung war Jesus dabei, präexistent.

Wir lesen das im ersten Kapitel, in dem berühmten Johannes-Prolog. Der ist unser Predigttext für den diesjährigen Weihnachtstag. Ich lese Ihnen den vor, in einer Versauswahl (Verse 1-5, 9-14 und 16):

Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. …

Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. …

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

 

Liebe Gemeinde,

Geheimnisvolles Raunen! Das ist die Weihnachtsgeschichte, wie sie Johannes erzählt. Eine andere hat er nicht für uns.

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Jesus von Nazareth – Gottes Wort an uns, ein Wort in Fleisch und Blut. Ein Wort zum Anfassen. Es läuft über die Straße, kehrt in den Häusern ein. Was soll das für ein Wort sein?

Jedenfalls kein bloßes Gerede. Es ist ein kraftvolles Wort, so stark wie das Wort des Schöpfers: Es werde Licht, und es ward Licht. Es macht, was es sagt. Darf man mal fragen, wie dieses Wort lautet?

Es ist, so lesen wir, ein Wort voller Strahlkraft, es macht alles hell, erleuchtet Herzen und Sinne. Ja, liebe Zeit, steht so ein Wort im Duden? 

So haben wir uns gefragt, als wir neulich im Predigtworkshop zusammen saßen. Wir kamen richtig ins Grübeln, und am Ende waren wir uns einig: Es gibt solch ein Wort, und es steht auch im Duden. Eins der kürzesten Wörter, die wir haben, zwei Buchstaben nur. Und dieses Wort heißt: Ja!

Klar, auch ein Ja kann man so dahin plappern, kraftlos, unverbindlich. Man kann auch lügen, wenn man Ja sagt. Alles geschenkt.

Aber wenn der Rahmen stimmt, zur rechten Zeit im guten Geist gesprochen. Dann ist das Ja genau dieses Wort.

Denken Sie mal an das Ja-Wort in der Kirche. Hier vorn vor dem Altar: Wie viele Paare haben hier schon gestanden, zitternd vor Aufregung, mit Glückstränen in den Augen und haben sich das Ja-Wort gegeben.

Das ist ein Ja, das macht, was es sagt: Es hat die Kraft eines Vertrages, es schafft Vertrauen, es macht glücklich, es verändert das Leben. Dieses Wort ist eine Tat, eine ganz mutige! Ja, ich will – Yes, I will.

Und die Leute sitzen da in den Bänken, und sie spitzen sich auf dieses Ja. Sie fiebern ihm entgegen, wollen genau hören, wie es klingt, ob er wohl einen Frosch im Halse hat. Und sie, ob sie es leise hinhaucht oder klar herausruft. Und Hochzeitsgäste tragen auch ein Ja im Herzen. Sie freuen sich, dass die beiden sich gefunden haben!

Was kann da der Pfarrer besseres tun, als an das andere Ja zu erinnern, das große Ja, das Gott längst gesprochen hat über den beiden, über uns allen, schon vor unserer Geburt.

Kurt Marti, der christliche Dichter aus der Schweiz, hat das einmal wunderbar in Verse gegossen. Die gehen so:

ich wurde nicht gefragt bei meiner Zeugung
und die mich zeugten wurden auch nicht gefragt
bei ihrer Zeugung
niemand wurde gefragt außer dem Einen
und der sagte Ja

ich wurde nicht gefragt bei meiner Geburt
und die mich gebar wurde auch nicht gefragt bei ihrer Geburt
niemand wurde gefragt außer dem Einen
und der sagte Ja

Wie schön dieses Ja klingt, das verstehen schon die Kinder. „Ich habe Geburtstag. Wirst du zu meiner Party kommen? Du bist eingeladen!“ – „Och nö, das habe ich schon was Anderes vor, ich kann nicht.“ Das klingt bitter in den Ohren des Geburtstagskindes. Aber wie beflügelnd ist die andere Antwort: „Na klar ich komme, darf ich noch jemand mitbringen?“.

Und dann singen sie das Geburtstagslied von Rolf Zuckowski: Wie schön dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst, wie schön dass wir beisammen sind, wir gratulieren dir, Geburtstagskind!

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und das Wort lautet: Ja! Das war übrigens keine Schnapsidee, die wir da im Predigtworkshop hatten. Wir haben die Bibel auf unserer Seite. Paulus hat das nämlich mal an die Christen in Korinth geschrieben, wir lesen das im 2. Korintherbrief, da schreibt er (Kap. 1, Vers 19-20):

Wir haben euch Gottes Sohn verkündigt, Jesus Christus. Wir, das heißt: Silvanus, Timotheus und ich. Und Gottes Sohn war nicht Ja und Nein zugleich, sondern er ist das Ja in Person. Durch ihn sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Deshalb berufen wir uns auf ihn, wenn wir „Amen“ sagen.

Dieses Ja-Wort, das ist mit Weihnachten der Menschheit eingefleischt worden. Auf jedem Menschengesicht spiegelt sich seither der Abglanz des Himmels: Wichtig sind wir, schön und begabt, beauftragt von ganz oben.

Schon am ersten Schöpfungstag war dieses Wort am Werk, der Logos. Seither trägt alles, was ist, das Logo des Schöpfers: das kleinste Sandkorn und die fernste Sonne. Schön bis du, gewollt und gelungen. Jede Vogelfeder und jede Blüte trägt die Imprimatur des göttlichen Wortes. Die Natur jubelt und feiert das Amen zum göttlichen Wort.

Jesus hat davon gesprochen. Wenn Gott selbst die Blumen am Feldrand herrlicher schmückt als der König Salomo je gekleidet war: Wie viel mehr wird er für euch sorgen, ihr Kleingläubigen! Wenn Gott selbst die Spatzen ernährt, die weder Geld verdienen noch einkaufen gehen: Um wie viel mehr wird Er euch bedenken, die ihr das Ebenbild seines Wortes seid.

Die ganze Welt und alles, was darin zu finden ist: eine einzige Liebeserklärung Gottes an uns. Um wie viel mehr das Brot und der Wein, die Jesus uns hinterlassen hat als Zeichen seiner Gegenwart. Liebe, die durch den Leib geht. Gottes Ja-Wort, in aller Schlichtheit zu feiern am Weihnachtsmorgen im Abendmahl.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.       

 

 

 

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