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Guten Abend, heute ist der 06. 06. 2020
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Pfarrer Dr. Gotthard Oblau: Predigt am 24. Juni 2018 (4. Sonntag nach Trinitatis)

„Erklärt euch: Welche Hoffnung beseelt euch?“

© Viktor Schwabenland / pixelio.de

© Viktor Schwabenland / pixelio.de

„Erklärt euch: Welche Hoffnung beseelt euch?“

Predigt am 24. Juni 2018 (4. Sonntag nach Trinitatis)

in der Evangelischen Kirche Essen-Rellinghausen

Pfarrer Dr. Gotthard Oblau

 

 

1.Petrusbrief, Kap. 3, Verse 8-12+15

Ich bitte euch: Lebt einträchtig, mitfühlend und geschwisterlich und mit weitem Herzen. Seid bescheiden und vergeltet nicht Böses mit Bösem und üble Nachrede mit übler Nachrede! Im Gegenteil: Wenn ihr die segnet, die euch verleumden, entsprecht ihr eurer Berufung. Denn ihr seid ausgewählt, um den Segen zu erben.

 

Wer nämlich das Leben lieben und gute Tage sehen will,

soll die Zunge vom Bösen fernhalten

und die Lippen davon, listig zu sprechen,

soll sich vom Bösen abwenden und das Gute tun,

soll nach Frieden suchen und streben.

Denn die Augen Gottes schauen auf die Gerechten

Und die Ohren Gottes hören auf ihre Gebete.

Gott wendet sich aber gegen jene, die Böses tun.

 

Haltet in euren Herzen Christus heilig, denn ihm gehören wir. Seid immer bereit, allen, die euch danach fragen, zu erklären, welche Hoffnung in euch lebt.

 

Liebe Gemeinde,

„Allzeit bereit!“ Heute grüßt uns die Bibel mit dem Pfadfindergruß. „Be prepared!“ Weil es hier um eine Sache geht, die nicht nur in den Gottesdienst gehört oder in fromme Gruppenstunden, sondern in das Alltagsleben eines jeden Christen.

 

Wozu denn sollen wir bereit sein? Der 1.Petrusbrief sagt es so: Seid immer bereit, allen, die euch danach fragen, zu erklären, welche Hoffnung in euch lebt.

 

Verstehen Sie das jetzt bitte nicht als Test. Das ist keine Konfirmandenprüfung. Es heißt nicht: Tragt allezeit euren Katechismus mit euch herum und sagt die richtigen Antworten auf.

 

Welche Hoffnung in euch lebt, darum geht es. Es soll persönlich sein, nicht dogmatisch. Das kann ganz ungekämmt formuliert sein, Hauptsache es kommt von Herzen. Dann ist es echt, und dann ist es ein Geschenk an die anderen.

 

Zynismus haben wir genug, was wir brauchen, ist Hoffnung. Die Medien hämmern uns zu mit schlimmen Nachrichten, Tag für Tag. Was wir brauchen sind Menschen, die Zuversicht ausstrahlen. Klagelieder hören wir überall. Wo gibt’s noch Vorfreude auf die Zukunft?

 

Im christlichen Glauben gibt’s doch diese Schätze, oder? Lebendige Hoffnung! Der Ostermorgen ist angebrochen über der Welt. Halten wir doch mit unseren Schätzen nicht hinter dem Berg. Die Menschen hungern danach!

 

Und wie gesagt, es geht nicht um theologische Erklärungen. Es geht um die kleine Münze im Alltag. Selbst die größten Theologen sagen es, wenn’s drauf ankommt, in ganz kleiner Münze.

 

Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Vor ziemlich genau 50 Jahren starb, in seiner Heimatstadt Basel, einer der größten Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Barth, mit 82 Jahren, nachts im Schlaf. Und deshalb ist überliefert, was er am Abend vorher am Telefon gesagt hat, quasi seine letzten Worte. Bis 21:00 Uhr hatte Karl Barth noch am Schreibtisch gesessen und an einem Vortrag geschrieben, dann rief sein langjähriger Freund Eduard Thurneysen an. Und der war schlecht drauf. Er klagte über die dunkle Weltlage, es war 1968. Die Studentenunruhen, der Einmarsch der Sowjets in Prag, Welthunger und Atomwaffen, sogar in der Schweiz läge alles im Argen.

 

Da sagte Barth ins Telefon: „Eduard, aber nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Weil, es wird regiert!“ Und was er damit meinte, war seinem Freund klar: Es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her!

 

Ist es nicht das, worum wir auch im Vaterunser bitten? In jedem Gottesdienst? Wir haben die Worte doch in uns: Dein Reich komme. Mit dem „Reich“ ist Gottes Herrschaft gemeint. Deine Herrschaft soll sich durchsetzen. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

 

Ja, wenn wir so beten, dann wollen wir alles. Dann reicht es uns nicht, dass Gottes Wille im Himmel geschieht, dass wir es irgendwann nach dem Tod da oben einmal warm und gemütlich haben. Nein, Gottes Wille soll hier unten geschehen. Wir bitten um den Himmel auf Erden. Drunter tun wir’s nicht.

 

Dabei stehen wir mit ziemlich leeren Händen da. Erzwingen können wir das nicht, und das ist auch gut so. Wir können nur Gott selber bitten.

 

So wie unser Wochenlied. Die evangelische Liturgiekommission schlägt für jeden Sonntag ein bestimmtes Lied aus dem Gesangbuch vor, jede Woche ein anderes, als Wochenlied. Heute ist es die Nummer 428, und die bitte ich Sie jetzt mal aufzuschlagen.

 

Komm in unsre stolze Welt. Das klingt wie im Vaterunser: Dein Reich komme. Gott selbst wird kommen und sich der Erde annehmen, das hat er zugesagt, die ganze Bibel ist voll davon. Adventshoffnung. Für Christen ist eigentlich das ganze Jahr Advent.

 

Das Lied ist übrigens auch von 1968. Es ist von Hans von Lehndorff geschrieben. Er stammte aus Ostpreußen, sein Vater hat in Trakehnen das berühmte Pferdegestüt geleitet. Hans von Lehndorff, 1908 geboren, war in der Bekennenden Kirche, wie Bonhoeffer war er in die Attentatspläne gegen Hitler eingeweiht, blieb aber unentdeckt. In der Nachkriegszeit hat er in Bonn als Arzt gearbeitet, im Ruhestand als Krankenhausseelsorger.

 

Im Jahr 1968 hat auch Hans von Lehndorff über die dunkle Weltlage geklagt, das spürt man deutlich in seinem Lied. Aber dabei bleibt er nicht stehen. Er stellt sich vor, wie sich alles ändern wird, wenn Gott in unsre Welt kommt. Wir hören von der Orgel eine Intonation, dann singen wir die erste Strophe.

 

Komm in unsre stolze Welt,

Herr mit deiner Liebe Werben.

Überwinde Macht und Geld,

lass die Völker nicht verderben.

Wende Hass und Feindessinn

auf den Weg des Friedens hin.

 

Achten Sie mal auf die Melodieführung! Die hat Manfred Schlenker kongenial komponiert. Sie beginnt beim a', und fällt von da in die Tiefe, quasi hinunter in die "stolze Welt", zum tiefen c'. Dann, in der zweiten Zeile, umkreist sie die Mitte, die Töne e', fis' und g'. Das ist wie ein werbender Tanz. So ist Gottes Herrschaft: Sie zwingt nicht, sie wirbt. Vielleicht braucht sie deshalb so lange.

 

Dann, in der dritten und vierten Zeile ist die Melodie fast identisch mit dem Liedanfang, nur alles um einen Ton nach oben versetzt: Das Gebet steigt flehend nach oben, Gott steht über der irdischen Malaise, er kann sie überwinden. Das Vorzeichen erhöht das g' zum gis' – eine weitere "Überwindung". Dadurch bekommt die Melodie kurzzeitig etwas Weiches, eine erhöhte Eindringlichkeit. Eine starke Sehnsucht drückt sich da aus. Und dann mündet die Melodie in einen offenen Schwebezustand, noch ist nichts entschieden, das glückliche Ende steht noch aus.

 

2. Komm in unser reiches Land,

der du Arme liebst und Schwache,

dass von Geiz und Unverstand

unser Menschenherz erwache.

Schaff aus unserm Überfluss

Rettung dem, der hungern muss.

 

3. Komm in unsre laute Stadt,

Herr, mit deines Schweigens Mitte,

dass, wer keinen Mut mehr hat,

sich von dir die Kraft erbitte

für den Weg durch Lärm und Streit

hin zu deiner Ewigkeit.

 

Merken Sie was? Von Strophe zu Strophe wird Gott immer näher herangebetet. Komm in unsre Welt (erste Strophe), zweite Strophe: Komm in unser Land, dann in unsre Stadt, in der vierten in unser Haus, und schließlich: in unser Herz. Gott rückt uns buchstäblich auf den Leib.

 

Und dann die Attribute, die Gott vorfindet: die stolze Welt, das reiche Land, die laute Stadt, das feste Haus, das dunkle Herz. All das wird Gott behutsam überwinden und heilen.

 

Und so leben alle Strophen von diesen Kontrasten: vorher und nachher. Ich glaube, das ist christliche Hoffnung: Sich im Vorher schon das Nachher vorzustellen, immer schon das zweite Programm im Kopf zu haben, immer schon zu spüren: Es könnte eigentlich auch alles ganz anders sein.

 

Ehrlich gesagt: die vierte Strophe finde ich am schwierigsten zu singen, vom Inhalt her, meine ich. Wo wir doch hier in Stadtwald und Rellinghausen alle so schöne und feste Häuser haben! My home is my castle! Wenigstens meine Wohnung, die ist mein eigenes Reich. Und jetzt beten wir: Dein Reich komme? Und dann soll Gottes Reich sogar in mein eigenes Reich kommen? Wenn das mal keine Konflikte gibt!

 

4. Komm in unser festes Haus,

der du nackt und ungeborgen.

Mach ein leichtes Zelt daraus,

das uns deckt kaum bis zum Morgen;

denn wer sicher wohnt vergisst,

dass er auf dem Weg noch ist.

 

5. Komm in unser dunkles Herz,

Herr, mit deines Lichtes Fülle;

dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz

deine Wahrheit uns verhülle,

die auch noch in tiefer Nacht

Menschenleben herrlich macht.

 

Und er Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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