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Guten Abend, heute ist der 06. 06. 2020
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Pfarrer Dr. Gotthard Oblau: Predigt am 13. Mai 2018

„Ein Freundschaftsbund mit Gott“ - Eine Predigt über die Taufe am Sonntag vor Pfingsten

© Dieter Schütz /pixelio.de

© Dieter Schütz /pixelio.de

„Ein Freundschaftsbund mit Gott“

Eine Predigt über die Taufe am Sonntag vor Pfingsten (13. Mai 2018)

in der Evangelischen Kirche Essen-Rellinghausen

Pfarrer Dr. Gotthard Oblau

 

Liebe Gemeinde,

ich habe zwei gute Nachrichten für sie, und eine schlechte. Zuerst eine der guten: Gott ist unser Freund. Da legt er Wert drauf, dafür hat er lange gekämpft. Jeder hier im Raum ist Gott ganz wichtig. Gott hat einen richtigen Freundschaftsbund mit uns geschlossen, und den hat er mit einem jeden von uns ganz offiziell besiegelt. Mit jedem einzeln. Unter Nennung des Namens. In der Taufe, so wie wir das gerade hier erlebt haben. Gibt es eine größere Ehre für uns? Wir haben einen Verbündeten ganz oben! Der allerhöchste Chef: unser Freund! Der Schöpfer des Himmels und der Erde: der hat immer ein offenes Ohr für uns!

 

Klar, die Freundschaft hatte sich längst angebahnt, vor allem von Gott aus gab’s da nie einen Zweifel, aber heute, mit dieser Taufe, hat einer von uns selbst Ja dazu gesagt. Und wir als Gemeinde, wir haben alle gemeinsam Ja dazu gesagt – so wie wir’s gesungen haben: Ich sage Ja, zu dem der mich erschuf. Weil der, der mich erschaffen hat, schon längst zu mir Ja gesagt hat. Das ist die Taufe: das offizielle Siegel auf diesen doppelseitigen Freundschaftsbund.

 

Gott macht das schon lange so, dass er sich Freunde sucht. Das hat er schon vor Urzeiten mit den hebräischen Sklaven so gemacht. Schon den Drittklässlern erzähle ich die Geschichten: Wie Gott sich dem Mose in der Wüste bekannt gemacht und ihm gesagt hat: „Ich habe das Schreien der Sklaven in Ägypten gehört. Es tut mir weh, wie sie geschunden werden. Ich sterbe tausend Tode, wenn Pharao befiehlt, sie umzubringen. Deshalb will ich sie da rausholen, und Mose soll den Weg in die Freiheit anführen.“

 

Es wurde dann sehr dramatisch, wie dieser Haufen von Flüchtlingen am Schilfmeer festsaß, und dann in höchster Not zu Fuß durch den sumpfigen Meeresarm marschierte. Sie kamen durch, ohne abzusaufen. Aber die schwer bewaffneten Verfolger fuhren sich im Sumpf fest, und die zurückkehrende Flut überschwemmte Pferde und Streitwagen.

 

So fing es an: Gerettet wie durchs Wasser hindurch. Der Gott von Abraham und von Mose hat sich als Freund der Unterdrückten gezeigt. Als Christen stellen wir uns in diese Gründungsgeschichte mit hinein. Das Wasser, das wir in der Taufe benutzen, erinnert uns daran.

 

Erst hat Gott ihnen die Freiheit geschenkt, und dann  hat er ihnen seine Gebote gegeben, in der Wüste, am Berg Sinai. Die Gebote gehören zur Freundschaft dazu, sie sind Teil des Bundes. Die zehn Gebote, und all die anderen Weisungen. Die haben alle dieselbe Tonart: Ihr selbst wart einmal Ausländer in Ägypten, also behandelt die Fremden gut! Ihr selbst wart einmal Sklaven, also lasst euren Untergebenen Luft zum Atmen! Seid nicht neidisch auf das Glück eures Bruders, und seid immer fair – selbst zu euren Feinden!

 

Gott braucht nämlich Freunde, die die Welt ein bisschen wohnlicher machen. Gott braucht Verbündete, die in seinem Auftrag das Gute stärken und dem Bösen den Nährboden entziehen. Damit es gut geht mit dem Leben auf der Erde.

 

Dafür der Freundschaftsbund. Angefangen hat er mit den Juden im alten Israel. Und durch Jesus, Gottes besonderen Boten, hat sich der Bund ausgeweitet. Seither dürfen Menschen aus allen Völkern und Ländern in diesen Bund eintreten, als Christen, durch die Taufe. Damit das Leben auch wirklich überall gut wird, in jedem Winkel der Erde.

 

Das ist doch eine gute Nachricht. Aber nun kommt die schlechte Nachricht: Oft hat das nicht gut geklappt. Vielleicht war Gott zu optimistisch. Jedenfalls wollten viele Menschen zwar mit Gott verbündet sein, aber seine Gebote haben sie in den Wind geschlagen. Zu unbequem, zu radikal, wir sind doch keine Gutmenschen! Die Leute erfanden Auswege und Umwege, um am Ende nur noch so zu tun, als würden sie nach Gottes Willen leben.

 

Dann schickte Gott seine Boten, man nennt sie Propheten. Die führten öffentlich darüber Klage, dass die Menschen den Bund gebrochen hatten und dass es in Gottes Volk kaum besser aussah als damals in Ägypten unter der Herrschaft des Pharao.

 

Der Prophet Jeremia war einer von diesen Boten, durch die Gott sich bei den Menschen beschwerte. Aber die Christen haben es auch nicht besser gemacht, die Geschichte der Kirche ist da ganz schön krass.

 

Das ist in der Tat eine schlechte Nachricht: Gott hat uns reich beschenkt, aber wir laufen ihm davon. Gott ist die Quelle der Weisheit, aber wir schlagen sie in den Wind. Das ist das, was die Bibel Sünde nennt.

 

Aber Gott ist zäh. Der gibt nicht so schnell auf. Der dreht uns nicht beleidigt den Rücken zu. Und das ist jetzt die zweite gute Nachricht: Gott hat sich was ausgedacht. Wie der Freundschaftsbund doch noch ins Lot kommt.

 

Der Prophet Jeremia hat das schon angesagt, vor zweieinhalb Tausend Jahren in Jerusalem. Und das ist der Text für die Predigt heute, am Sonntag vor Pfingsten: ein kurzer Abschnitt aus dem 31. Kapitel des Jeremia-Buches (Verse 31-34, Gute-Nachricht-Bibel). Ich lese Ihnen den jetzt vor, und Sie achten bitte mal auf die gute Nachricht, die Problemlösung, die Gott sich vorgenommen hat.

 

Gebt Acht!, sagt der Herr. Die Zeit kommt, da werde ich mit dem Volk von Israel und von Juda einen neuen Bund schließen. Er wird nicht dem Bund gleichen, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihnen doch ein guter Herr gewesen war.

            Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein, sagt der Herr.

            Niemand muss dann noch seinen Nachbarn belehren oder zu seinem Bruder sagen: Lerne Gott den Herrn kennen! Denn alle werden dann wissen, wer ich bin, die Kleinen und die Großen. Das sage ich, Gott, der Herr. Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und nie mehr an ihre Sünde denken.

 

Liebe Gemeinde, das wär’s doch! Gottes Weisungen und Lebensregeln: nicht mehr auf Steintafeln gehauen, auch nicht mehr nur auf Papier geschrieben, denn Papier ist bekanntlich geduldig: sondern direkt ins Herz geschrieben, in unser Gewissen gelegt.

 

Du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht ehebrechen: Das will dann auch gar keiner mehr tun. Da braucht es keine Polizei mehr, keine Steuerfahnder, keine Strafbefehle, keine Gefängnisse, keine Scheidungsrichter. Spontan und natürlich leben wir im Einklang mit Gott und den Menschen. Das ist der neue Bund. Darauf gehen wir zu.

 

Und dann ist die Freundschaft zwischen Gott und uns gerettet, und alle Welt kann genesen. Glauben Sie daran? Dass das geht?

 

Die Bibel erzählt davon. Dass der neue Bund schon angefangen hat. Seit Pfingsten. Seit Gott seinen Geist schickt und Menschen davon erfüllt werden. Das passiert schon, überall, immer wieder, und kann schon morgen auch in Rellinghausen passieren.

 

Und dann braucht keiner mehr den anderen belehren, keiner muss mehr Gott erklären und viele Worte machen, keiner mehr den moralischen Zeigefinger erheben. Ja ehrlich, als Pfarrer werde ich dann arbeitslos, ich kann in den vorzeitigen Ruhestand gehen, das wird schön. Auch Kirchensteuern werden überflüssig. Jeder gibt seine Spenden und Beiträge dann ja aus freien Stücken, und überaus freigiebig. Kollekten werden sich verdoppeln, mindestens.

 

Dann muss ich Ihnen den Taufspruch von heute nicht mehr erklären, dann spricht der für sich: Lass dich vom Bösen nicht besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute. Dann spricht das doch für sich. Instinktiv werden wir dem folgen. In jeder Situation werden wir genug Fantasie haben, das umzusetzen.

 

Auch ein Zehnjähriger schon. So haben wir es doch beim Propheten Jeremia gehört: Sie werden mich alle erkennen, Klein und Groß, spricht der Herr. Also schon die Kinder. Auch die werden Gottes Gesetz im Herzen tragen.

 

Und dann ist auch egal, dass Gott ja eigentlich unsichtbar ist. Wir folgen einfach dem Taufspruch, den wir heute gehört haben, probieren ihn mal aus. Dann wird sich schon zeigen, ob es Gott gibt. Wenn wir nämlich das Böse nicht mehr mit Bösem besiegen wollen, sondern mit Gutem, dann werden wir auf jeden Fall was erleben. Und wir haben was zu erzählen. Lassen wir uns drauf ein!

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