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Guten Tag, heute ist der 20. 09. 2019
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Pfarrer Dr. Gotthard Oblau: Predigt am 1. September 2019 „Ein Haus aus lebendigen Steinen“

anlässlich der Fertigstellung des neuen Gemeindezentrums

 

 

© Uta Herbert / pixelio.de

© Uta Herbert / pixelio.de

„Ein Haus aus lebendigen Steinen“

Predigt am 1. September 2019 (11. Sonntag nach Trinitatis)

in der Evangelischen Kirche Essen-Rellinghausen

anlässlich der Fertigstellung des neuen Gemeindezentrums

Pfarrer Dr. Gotthard Oblau

 [download]

 

Bibeltext:

Ihr habt ja bereits schmecken dürfen, wie gütig der Herr ist.

Kommt her zu ihm! Er ist der lebendige Stein,

der von den Menschen für unbrauchbar erklärt wurde.

Aber bei Gott ist er auserwählt und kostbar.

Lasst euch auch selbst als lebendige Steine zur Gemeinde aufbauen.

Sie ist das Haus, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist.

So werdet ihr zu einer heiligen Priesterschaft

und bringt Opfer dar, in denen sein Geist wirkt.

Das sind Opfer, die Gott gefallen –

weil sie durch Jesus Christus vermittelt sind.

1.Petrusbrief Kapitel 2, Verse 3-5

 

Liebe Gemeinde,

Sie sind es! So wie Sie hier sitzen: Frauen und Männer, Junge und Alte, viele Seniorinnen, auch Kinder – Sie alle, zusammen mit denen, die heute nicht dabei sind, aber auch dazu gehören: Sie sind der Stoff, aus dem die Kirche gemacht ist.

 

Leute machen Kirche. Menschen sind ihre Grundsubstanz. Die Bibel spricht da eine klare Sprache. Im 1. Petrusbrief zum Beispiel. Wir haben das eben in der Schriftlesung gehört.

 

Die Kirche ist ein Haus aus lebendigen Steinen. Die Steine, das sind all die Menschen, die sich dazu halten, die mitmachen in der christlichen Gemeinde, die immer wieder gern darauf zurückfallen.

 

Wir würden heute von einem Netzwerk sprechen. Menschen, die sich auf gemeinsame Projekte und Aufgaben einlassen, die zusammen singen und feiern. Und Jesus, wie er uns in der Bibel bezeugt wird, ist der Ankerknotenpunkt im Zentrum des Netzes.

 

Das wäre ein modernes Bild für die Kirche. Die Bibel aber benutzt das Bild vom Gebäude: Lasst euch als lebendige Steine zur Gemeinde aufbauen. Und Jesus ist der Eckstein, der zentrale Stein im tragenden Fundament.

 

Alle haben wir einen eigenen Platz in diesem Bau. Jeder Stein wird von anderen Steinen gestützt und getragen, und jeder trägt und stützt weitere Steine.

 

Und jeder Stein ist ein Unikat. Mauern aus gleichförmigen Ziegeln bilden wir in Rellinghausen jedenfalls nicht. Wir sind mehr so ein Gebäude aus Natursteinen. Kantige Brocken zwischen runden Kieseln, Schichtsteine mit schillernd-metallischen Adern neben leuchtenden Sandsteinquadern und dunklem Granit. Und manchmal wundern wir uns, dass das alles so hält.

 

Na ja, wir sind eh kein Bürohochhaus aus der Innenstadt. Eher schon wie das Hundertwasserhaus am Rande der Gruga, dieses Ronald-McDonald-Haus. Darin lebt es sich ja auch viel lustiger.

 

So ein Haus atmet, es dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Ständig wird irgendwo umgebaut und angebaut, angepasst und neu gestrichen.

 

Nie ist es endgültig fertig. Nie wirkt es so clean und geleckt wie in „Schöner Wohnen“. Ein bisschen Lärm und Dreck gehören zur Gemütlichkeit wohl immer dazu. Weil: Es ist ein Haus, in dem Gottes Geist gegenwärtig ist. Und der ist immer für Überraschungen gut.

 

Ein Haus aus lebendigen Steinen. Da steckt auch eine Portion Polemik drin. Polemik gegen Häuser aus toten Steinen. Gegen tote Steine hat die Bibel eine tiefe Abneigung, von vorn bis hinten.

 

Der Pharao in Ägypten etwa, der baute sich eine neue Hauptstadt, und die hebräischen Migranten mussten die Drecksarbeit machen, im Akkord Ziegel herstellen. Sklavenarbeit war das, wer nicht spurte, bekam die Peitsche. Gott konnte das nicht mitansehen, er hat sie da rausgeholt, mit Mose als Anführer. Die Geschichte kennt ihr schon aus der Grundschule.

 

So geht das immer. Wer Geld und Macht hat, baut sich Paläste, protzt und prunkt mit architektonischem Glanz. Denken Sie an den Turmbau zu Babel. Bis an den Himmel sollte der reichen. Einen Namen wollten sie sich machen, die Herren von Babylon. Schuften auf dem Bau mussten andere. Es hat nicht geklappt. Die Menschen entzweiten sich, verstanden einander nicht mehr und wurden zerstreut.

 

Der König Salomo hat es kaum besser hingekriegt. Denken Sie mal: der weise König Salomo. Der ließ in seiner Hauptstadt Jerusalem den Tempel bauen, ein Prachthaus für Gott. Zedernholz, kostbare Steine, Säulen aus Bronze. Das war teuer!

 

Die Abgabenlast hat er dafür erhöht, Zwangsarbeiter rekrutiert, aus ganz Israel, vor allem aus den zehn Stämmen im Norden, da hatte er keine Verwandte.

 

Die Quittung kam, als Salomo starb. Da machten die Nordstämme einen Aufstand. Sie hatten die Faxen dicke und spalteten sich ab. Israel teilte sich in zwei getrennte Staaten, ein Nordreich und ein Südreich. Und alles begann mit diesem Tempelbau. Haben Sie das gewusst? Das steht in der Bibel.

 

Was für eine Ironie der Geschichte: Der religiöse Prachtbau aus edlen, aber toten Steinen zerreißt den Bau aus lebendigen Steinen.

 

Das ist mehr als einmal passiert. Denken Sie an den Petersdom in Rom. Die größte, herrlichste, protzigste Kirche der Welt, für Jahrhunderte. Auch die hat gekostet. Finanziert wurde sie mit dem Peterspfennig, und mit Ablassbriefen. Sie wissen schon: Wenn das Geld in den Kasten springt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt.

 

Dagegen stand ein deutscher Mönch namens Martin Luther auf, es kam zur Reformation. Das Haus aus lebendigen Steinen zerriss und ist zerrissen bis heute. Ein hoher Preis für den Petersdom, ziemlich dumm gelaufen.

 

Verstehen Sie, was ich sagen will: Ob ein Hausbau aus physischen Steinen gut oder schlecht ist, ob er klug ist oder töricht – das entscheidet sich daran, ob er das Haus aus lebendigen Steinen fördert oder demontiert. Auf die menschliche Gemeinschaft kommt es an, auf den sozialen Frieden. Immer.

 

Und damit bin ich bei dem neuen Gemeindezentrum nebenan. Ein Prachtbau ist das nicht, keine Sorge! Gebaut haben wir das ja, weil wir bescheidener werden müssen. Die Kirchengemeinde ist keine Großgrundbesitzerin mehr.

 

Jetzt haben wir nicht mehr drei Pfarrhäuser wie noch vor 14 Jahren, sondern nur noch eins. Nicht mehr zwei Gemeindehäuser wie noch vor vier Jahren, sondern nur noch eins. Und das neue Gemeindehaus hat 30 Prozent weniger Nutzfläche als das größere von den beiden alten.

 

Lasten ablegen, auch finanzielle. Mit leichtem Gepäck in die Zukunft gehen. Damit wir uns nicht zu Sklaven von toten Steinen machen. Damit das Haus aus lebendigen Steinen ein Haus der Freiheit ist, mit Luft zum Atmen und Raum zum Spielen.

 

Und noch was: Räumlich hat sich jetzt alles konzentriert. Ein Eingang für alles. Wir werden uns mehr über den Weg laufen. Auch wenn wir innerhalb des Hauses verschiedene Ziele ansteuern. Wir werden uns öfter sehen, stehen bleiben, quatschen, eine Tasse Kaffee miteinander trinken.

 

Ja, ehrlich: Mit Kaffee wird der Mörtel angerührt, der die lebendigen Steine zusammenhält. Sowas geht ab jetzt viel besser, auch nach der Kirche.

 

Das war das Ziel des Umbaus, und es bleibt unser Ziel: Der bescheidene Bau aus toten Steinen soll dem ehrgeizigen Bau aus lebendigen Steinen dienen. Als Gerüst, zum Halt geben, damit der organische Bau aus Menschen gedeihen kann.    

 

In den hinein soll Gott seinen Geist blasen. Das ist mein Wunsch und Gebet. Amen.

 

 

Fürbittengebet:

Wir stehen an der Schwelle zu unserem neuen Gemeindezentrum.

Es ist so gut wie fertig.

Heute können wir das Ergebnis besichtigen

und in den nächsten Wochen alles nach und nach in Besitz nehmen.

 

Bevor wir jetzt eintreten,

lassen Sie mich ein Gebet sprechen.

 

Herr, unser Gott,

unser Vater durch Jesus Christus:

Heute ist ein Tag der Freude

und ein Tag, Danke zu sagen.

Zuerst und aus tiefstem Herzen, dir, guter Gott.

 

Aus deiner Hand nehmen wir dieses Haus entgegen.

Hab Dank für alles Gelingen.

Danke für die neuen Möglichkeiten, die sich auftun.

 

Gott, wir danken dir heute besonders für all die vielen Menschen,

die an diesem Bauprojekt mitgewirkt haben.

Die sich eingebracht haben ins Planen und Reden und Entscheiden,

die angepackt haben beim Umbauen und Aufbauen und Einbauen.

So viele Menschen, die beteiligt waren,

ehrenamtlich und beruflich.

Du kennst sie alle.

Segne einen jeden und eine jede

und lass sie Lohn erfahren für ihre Mühe.

 

Gott, wir bitten dich für alles,

was von nun an in diesem Hause geschieht.

Lass alles gesegnet sein:

das Reden und Beten,

das Singen und Trösten,

das Zuhören und Musizieren,

das Stille halten und Studieren,

das Verwalten und Planen,

das Essen und Feiern.

 

Dass Menschen einander begegnen

und ihre Begabungen ausprobieren,

dass Fremde zu Freunden werden,

und Entzweite sich versöhnen,

dass dein Evangelium gehört wird

und zu Herzen geht:

lass all das geschehen an diesem Ort,

damit dieses Haus zum Segen wird für viele.

 

Gott,

baue und erhalte du selbst deine Gemeinde -

wie du es bis hierher getan hast,

so auch heute und in alle Zukunft.

 

Das bitten wir dich

im Namen deines Sohnes Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und wirkt in Ewigkeit. Amen.

 

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