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Guten Abend, heute ist der 19. 08. 2019
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Pfarrer Andreas Volke: Predigt am Sonntag nach Ostern 2018

Ein Osterspaziergang

Ein Osterspaziergang
Pfarrer Andreas Volke
Essen-Rellinghausen
am Sonntag nach Ostern 2018

[Download]


Liebe Gemeinde,
darf ich Sie heute einmal zu einem Osterspaziergang einladen? Keiner braucht deswegen den Saal verlassen, keiner seine Wanderstiefel anziehen. Wir werden „virtuell“ unterwegs sein. Unser Reiseführer ist das Markusevangelium, wo es in den letzten 10 Versen heißt:



[Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria Magdalena, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und ihr erschienen sei, glaubten sie nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie aufs Feld gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, in neuen Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, so wird's gut mit ihnen. Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mit folgenden Zeichen.]

 


Die erste Etappe führt uns schnurstracks zur Universität. Gleich wo sie steht, wir brauchen eine Fachkraft aus dem neutestamentlichen Seminar. Denn wo immer wir den Abschluss des Markusevangeliums in den Händen halten, stoßen wir auf das Prädikat „unecht“. Die Lutherbibel etwa setzt kräftige eckige Klammern. Das soll anzeigen: Achtung! Nicht von Markus! Nun, wie ich gerade höre, will eine Professorin uns empfangen. Sie wird alles aufklären.


Die kurze Wartezeit nutzen wir für einen Blick auf das Ende des „echten“ Markus, Das sind die Verse eins bis neun. Da heißt es, Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, sowie Salome seien am Ostermorgen zum Grab gegangen. Da hätten sie den fortgerollten Stein gesehen. Eine engelsgleiche Gestalt habe mit ihnen geredet und das Ganze hätte sie derart in Furcht und Zittern versetzt, dass sie geflohen seien. Kann man die gute Nachricht, das Evangelium von Christus, dem Sohn Gottes, denn wirklich so enden lassen, in Furcht und in Zittern?


Die gerade eingetroffene Professorin beruhigt: Das könne man schon. So werde deutlich, dass die Botschaft bis heute ein Wunder enthält, das in jedem von uns neu Gestalt finden will. Ansonsten: Erzählt hätten ja doch genug. Wie sonst wäre die Botschaft bis zu uns gelangt? Nun kommt sie zum Thema. Der „unechte“ Schluss des Markusevangeliums bestünde aus einer späteren Zusammenfassung aller bis dahin bekannten Osterberichte. Natürlich sei das nur zu einer Zeit möglich gewesen, wo die Evangelien schon vielfach verbreitet worden seien. Schließlich könne man gut erkennen, wie von Lukas und Johannes und sogar etwas aus dem Matthäusevangelium aufgenommen sei. Neues aber könnten diese Verse nicht mehr beisteuern. Einzig, dass wir bei ihnen sehen könnte, wie man diese Berichte der Evangelisten später aufgegriffen und verstanden habe. Da müsse man einzig im Auge behalten, dass es sich um die Interpretationen aus dem 2. Jahrhundert handelt.


Wir danken, verabschieden uns und gehen los. Besser, wir „beamen“ uns - den Markusschluss in der Hand- kurzerhand in den Garten, wo man Jesus begraben hat und stellen uns hinter die Frauen am Grab. Wir hören den Engel, wie er zu ihnen spricht: Geht hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.


Eine Ostererzählung, die in Galiläa spielt, gibt es tatsächlich. Wir finden sie beim Evangelisten Johannes. Da ziehen wir mit ihm hinunter zum See Genezareth, der bei ihm „See Tiberias“ heißt. Im Morgengrauen schauen wir aufs Wasser, wo sich ein Boot dem Ufer nähert. Wie zu Anfang, vor ihrer Zeit mit Jesus, sind die Jünger wieder zu Fischern geworden. Nur - wie könnte es auch anders sein-, nichts haben sie gefangen. Am Ufer jedoch steht jemand, der ihnen zuruft, sie sollten die Netze zur anderen Seite hin auswerfen. Irgendwie kommt uns das bekannt vor. „Lukas 5“ flüstert einer aus unserer Gruppe, „Berufung des Petrus“. Und noch einmal kommt es zu einem umwerfenden Fischfang, der alle im Boot stutzig werden lässt. Ist es nicht der Herr…?


Petrus aber wird von diesem, der da am Ufer ein Feuer angezündet hat, beiseite genommen. Wieder dürfen wir zuhören wie er dreimal abseits von den anderen gefragt wird: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“ Beim dritten Mal erkennt Petrus, was hier verhandelt wird und er muss antworten: Ja Herr, du weißt alle Dinge. Du weißt auch, dass ich dich lieb habe.


Es ist eine großartige Versöhnungsgeschichte, mit der der Evangelist Johannes sein Evangelium ab-schließt. Wir halten für von diesem Besuch am See Tiberias fest: Auferstehung beinhaltet Versöhnung und einen neuen Anfang. Das kommt jetzt einmal in den Rucksack.


Unser virtueller Osterweg führt zurück nach Jerusalem. Das geht wie im Flug und noch einmal stehen wir im Garten Gethsemane. Dieses Mal ist es Maria Magdalena, die allein am Ostermorgen zum Grab geht. Das Johannesevangelium enthält ihre berührende Geschichte, wie sie mit verweinten Augen den Auferstandenen trifft, den sie für den Gärtner hält. Sie vermutet, er habe den Leichnam fortgeschafft. Aber ein einziges Wort, löst alles auf und sie kann Jesus, den Auferstandenen erkennen: Er ruft sie bei ihrem Namen: Maria. Von unserem kurzen Aufenthalt an der dritten Station bei Maria Magdalena halten wir fest: Auferstehung beginnt bei unserem Namen.
Der Rucksack beginnt sich zu füllen. Unsere nächste Station wechselt zum Evangelisten Lukas. Stolz berichtet er-und nur er- wie zwei auf dem Weg sind zurück in ihr Dorf mit Namen Emmaus. Wie ich las streiten sich heute neun Dörfer rund um Jerusalem, welches das echte Emmaus von damals gewesen sei. Diesen, die auf dem Weg sind, begegnet der Auferstandene, mischt sich in ihr Gespräch ein und legt ihnen die Schrift aus. Später bitten sie ihn, mit ihnen das Mahl zu teilen. Da erkennen sie ihn. Der Evangelist Lukas gibt seinen Leserinnen und Lesern zwei Antworten, wie „Auferstehung“ erfahrbar wird:

 

  • Lest in den Schriften. Dort ist alles zu finden.
  • Feiert das Mahl, wie Jesus es mit seinen Jüngern gefeiert hat: Zu seinem Gedächtnis, mit seinen Worten, mit Brot und Wein und er wird mitten unter euch sein.

Diese zwei Hinweise legen wir doch gerne in den Rucksack: Auferstehung beginnt bei den Schriften. Und sie geschieht, wo Christen in Jesus Namen das Abendmahl feiern.
Der Schluss des Markusevangeliums aber fügt hinzu: Auch diesen beiden, die nach Emmaus gingen, denen glaubten die anderen nicht. Also muss Jesus selbst den Elfen (!), - Judas ist nicht mehr darunter- persönlich erscheinen. Lukas wie Johannes wissen von solch nachösterlichen Be-gegnungen vor allen Jüngern. Bei Johannes aber ist sie verbunden mit Thomas, dem sogenannten „Ungläubigen“ den ich eher für einen „Zukurzgekommenen“ halte, einen, der sich vernachlässigt sieht. Wir kennen den Kernsatz, auf den diese Begegnung hinausläuft: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben!“ Dazu hat es in unserer Kirche einmal am Ostertag folgenden Vorfall gegeben, dass jemand, der den Thomas spielen sollte mit dem Text nicht klar kam und es dann so sagte: Selig sind die, die nicht glauben und doch sehen! Das löste kurze Irritationen aus. Dann wurde alles zurechtgerückt. Aber auch in dieser Fassung ergibt sich ein Sinn: Woher kommt das „Sehen“, wenn nicht auch aus Glauben? Von dieser fünften Station nehmen wir den biblischen Wortlaut mit. „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben!“


Die sechste Station lässt uns abschließend auf das Matthäusevangelium blicken. Auch dahin gibt es im Markusschluss einen Brückenschlag. Es geht um „Matthäi am Letzten“. Dieses zum geflügelten Wort gewordene „Matthäi am Letzten“ bezieht sich auf das 28. Kapitel, dessen Schlussworte lauten: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende! Wir nehmen von unserem Kurzbesuch bei Matthäus diese Zusage mit: Auferstehung geschieht, wo getauft wird und wo wir der Verheißung vertrauen: Ich bin bei euch alle Tage!


Dann aber lesen wir im Markusschluss etwas, dessen Spuren bis zu uns in die evangelische Kirche in Rellinghausen reichen. Hier nämlich steht das 1935 von einem Ehepaar Lohbeck gestiftete Taufbecken, diese große Messingschale, in deren Rand eingraviert steht: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; Markus 16,16! Ohne dass es uns jedes Mal bewusst ist, taufen wir mit einer Kernaussage des unechten Markusschlusses! Wir selber werden zu diejenigen, die von der guten Nachricht bei jeder Taufe weitergeben. Das gehört unbedingt mit einem Foto unserer Kirche in den Rucksack.


Den zweiten Teil des Satzes aus Markus 16 hat man auf unserer Taufschale vorsorglich fort gelassen. Der nämlich sagt: Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Es macht das Evangelium nicht besser, wenn wir in Jesu Namen andere, die anders denken und handeln, verdammen. Es macht das Evangelium nicht größer, wenn wir es mit seltsamen Wunderzeichen garnieren. Handauflegen bei Kranken ist wichtig und beinhaltet eine starke Kraft, aber es ist Gott, der neue Kraft bewirkt, nicht dass sie in unseren Händen läge. Wer wollte von uns Dämonen austreiben? Würde es Ihnen das Evangelium bedeutender machen, wenn ich mit bloßen Händen eine Schlange hochhalte? Tödliches trinken in der Erwartung, man könne dann am Leben bleiben - Kinder dürfen so etwas gar nicht lesen, sie machen es am Ende noch nach. Dies alles lassen wir jetzt dort, wo es einmal wichtig war, im zweiten Jahrhundert.


Wir stellen stattdessen vor Augen, was wir von den sieben Stationen unseres Osterweges mitgenommen haben:

  • Auferstehung beinhaltet Versöhnung und einen neuen Anfang.
  • Auferstehung beginnt bei den Schriften. Dort finden wir alles.
  • Auferstehung geschieht, wo Menschen glauben, auch wenn sie nicht sehen.
  • Auferstehung geschieht, wo Christen zusammenkommen und in Jesu Namen das Abendmahl feiern.
  • Auferstehung geschieht, wo getauft wird
  • Auferstehung geschieht, wo Menschen der Verheißung vertrauen: Ich bin bei euch alle Tage!

Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen

 

 

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