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Guten Abend, heute ist der 18. 03. 2019
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Pfarrer Andreas Volke: Predigt am Ewigkeitssonntag 2018

Wieder eine Richtung zu finden.

Rainer Sturm  / pixelio.de

Rainer Sturm / pixelio.de

Pfarrer Andreas Volke


Predigt
am 26.11.2018

in der Evangelischen Kirche Essen-Rellinghausen


Am Ewigkeitssonntag 2018

Wieder eine Richtung zu finden.

 


Liebe Gemeinde,
an diesem Tag all die Namen zu hören, die sich mit einem Menschen verbinden, der vor einem Jahr noch unter uns war, das fällt schwer. Jeder kann sich davon etwas vorstellen, was zum Abschied gehört. Sie aber haben es selbst erfahren, unmittelbar, und dann ist es doch ganz anders. So gehen die Gedanken heute zum Partner, zu Vater und Mutter, hin zum Bruder und zur Schwester, zu Onkel und Tante wie auch zu den Großeltern und auf der anderen Seite zur Freundin zum Freund und zu ihrem Nachbarn. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“. Heißt es in Martin Luthers Lied. Das spüren wir heute und schließen uns darum in besonderer Weise zusammen.
Der Tod nimmt, er greift zu, er ignoriert unser Bitten, und selbst wenn es Ärzten noch einmal gelingt, einen Menschen zurück zu holen, so müssen wir am Ende doch dem Tod seine Macht zugestehen. Darum ist der Weg auf den Friedhof so einzigartig schwer. Mit jedem Schritt spürt man, wie endgültig alles dort ist.

  • Ohnmacht - viele unter uns werden es so erfahren haben, dass da viel Ohnmacht auszuhalten war. Und das gehört zum Schwersten, was uns als Menschen auferlegt ist.
  • Grenzen - Jeder trauert anders. Jeder hat auch einen anderen Zugang zu den Dingen, die uns hilflos machen. Einer kann nahe am Bett eines Sterbenden aushalten, ein anderer nicht. So waren da auch Wege zu gehen, die man alleine gehen musste. Auch das kostet Kraft und manchmal bleibt eine Enttäuschung zurück. Hätte man mehr noch machen sollen?
  • Hin und wieder mag auch der Gedanke dazu gehört haben, dass der Tod erlösend sein kann, wenn die Kraft nicht mehr da ist und ein Mensch selbst nicht mehr will. Dann kann der Tod auch gnädig zu einem Menschen sein und auch für die Angehörigen mag es dann eine Befreiung bedeuten.

So ist es doch für jeden ein neuer, unbekannter Weg ist, den wir gehen – zum Sterben hin, aber doch ebenso danach. Die Schreiben an Ämter und Kassen, auch der Entschluss, die Kleidung zusammen zu legen und die persönlichen Sachen zu sichten, bis dahin, das Auto abzugeben, weil niemand mehr da ist, der es fährt: All das sind Herausforderungen, die nicht einfach zu bestehen sind. Denn immer geht es darum, eine Richtung zu finden, in die man gehen kann.

Das ist unsere Aufgabe in der Trauer: Eine Richtung zu finden, wo uns das Leben wieder neu begegnen kann. Oftmals braucht es ein Jahr, ehe man sich überhaupt wiederfindet. Der Weg durch den Sommer, die Geburtstage, der Urlaub, all das hatte man ohne den Verstorbenen noch nicht erlebt. Das Weihnachtsfest, auf das wir jetzt zugehen, der Jahresbeginn, all das mischt sich mit Erinnerungen, wo man noch zusammen war. Erst nach einem Jahr begegnet man sich selber, als jemand der einmal alles alleine gegangen ist. Dann erst kann man wieder vergleichen: Letztes Jahr stand ich am Anfang – jetzt aber bin einen Schritt weiter gekommen. Letztes Jahr war der Abschied. Jetzt aber ist das Grab fertig. Ich kann hingehen und habe gelernt, auch wieder fort zu gehen. Oftmals alleine, sind doch neue Schritte ins Leben entstanden.
Es muss für uns eine Verbindung zum Leben bleiben. Gerade wo diese Verbindung abgerissen ist, muss doch etwas wieder zusammenwachsen können. Die anderen, die diese Wege früher schon gegangen sind, sie wissen davon. So kann man sich stärken.
Die Worte der Bibel helfen uns dabei. Denn sie wissen zu unterscheiden, was unsere Aufgabe ist hier auf der Erde ist und was Gottes Sache ist, seine Aufgabe – „dort“.

  • Wenn Jesus etwa von einem Haus spricht, das er seines Vaters Haus nennt, ein Haus mit vielen Wohnungen, dann wissen wir was uns ein Haus hier auf der Erde bedeutet: Ein Zuhause zu haben, einen Ort, an dem es Schutz gibt und wo wir einen Menschen geborgen wissen. Dieser Gedanke steht hinter solch einem biblischen Bild, wo es dann unwichtig wird, ob es dort wirklich ein Haus wie hier auf der Erde sein wird. Einen Menschen, für den wir hier nicht mehr sorgen können, diesen sollen wir bei Gott geborgen zu wissen, heil und unversehrt. Wir geben ihn dorthin ab, wo Jesus Christus jetzt auch ist. Dann wird esAbschied, der einen Trost behält und unsere Kräfte freisetzt, wieder im Leben Fuß zu fassen.
  • Spricht der Apostel Paulus davon, dass dort eine Verwandlung stattfinden muss, wo das Sterbliche vom Unsterblichen umkleidet sein wird, dann enthält auch dieses Bild den gleichen Trost, dass wir die Verstorbenen nicht schutzlos, sondern mit einem neuen Kleid umgeben sehen. Soll ein Abschied gelingen, dann brauchen wir dieses Vertrauen, dass „dort“ für einen Menschen gesorgt ist.

Für uns aber, die wir zurück bleiben hält die Bibel ebenso ihre Worte bereit. Der 23. Psalm geht einen solchen Weg, der all das in Erinnerung ruft, was unser Leben ausmacht, damit wir es wieder lernen zu lieben und es uns wieder mit Dankbarkeit erfüllen kann.
Er spricht von der „grünen Aue“, vom „frischen Wasser“. Wie viele Erinnerungen aus der Jugendzeit lassen sich nicht damit verbinden? Gerade auch jene Zeit, wo man als junges Paar zusammen war, wo man sich kennen und lieben gelernt hat. Und das zu einer Zeit, die oftmals mit dem Ende des Krieges verbunden war, wo rund herum lange noch nicht alles wieder aufgebaut war. Die Erinnerung aber zeigt uns, dass gerade dort jene „grüne Aue“ zu finden war, frisches Wasser und der Mut, sich wieder eine Zukunft aufzubauen, sich Kinder zu wünschen und eine Familie zu gründen.
„Die rechte Straße“ man erkennt sie oftmals erst im Rückblick als jenen Weg durchs Leben, wo man rückschauend sagen darf, geführt worden zu sein. Der gedeckte Tisch – auch der gehört zu unserer Erinnerung, auch wenn früher doch andere Dinge darauf standen, als heute. Zu diesem gedeckten Tisch stellt der Psalm auch alle Konflikte und Auseinandersetzungen, wie sie zum Leben gehören. Ein Tisch, wo man sich streiten, aber auch wieder vertragen und neue Pläne machen konnte.
Die Feste und die Feiern, wo man froh beieinander war, die Hochzeit, die Taufe der Kinder, die Geburtstage, die Konfirmation und die Feste im Jahreskreis. Es ist gut, in seinen Gedanken zu gehen, auch wenn es Momente gibt, wo uns das weh tut, weil dies alles die Dinge sind, die nicht dem Tod gehören, weil er da keine Macht drüber hat. Das alles trägt man im Herzen und gibt uns gute Gründe, um dankbar zu sein.
Spricht der Psalm von der Güte und von der Barmherzigkeit, dann wissen wir alle, dass wir ohne sie nicht leben können. So wollen wir heute auch jene gesehen, die nicht mehr sind, dass wir sie mit den Augen der Liebe betrachten, mit Güte und unserer Barmherzigkeit.
Bleiben im Hause des Herrn - wo Gott alles in allem ist, wo keine Klage, kein Geschrei, keine Angst mehr ist, weil Gott alles neu machen wird.
Daran erinnert uns dieser Psalm, wie auch daran, dass dort, wo es durch ein finsteres Tal hindurch zu gehen heißt, nicht Furcht, sondern neue Kraft uns bestimmen soll - dein Stecken und Stab trösten mich.
All das sind „Fenster zum Leben“ – Anknüpfungspunkte um etwas aus seiner Erinnerung wieder gelten zu lassen, ohne dass es von der Trauer verdrängt und abgewiesen wird. Wir sollen wieder auch froh werden und in uns verspüren, was schön im Leben war, weil es doch das ist, was bleibt und worüber der Tod keine Macht besitzt. Wir nehmen die Verstorbenen in unserem Herzen mit.
So bleiben sie bei uns, wenn wir auch wieder am Leben Freude finden.
Wenn wir nun den 23. Psalm noch einmal zur Hand nehmen, dann mag jeder seine Gedanken mit hineinlesen, seine eigenen Bilder dazustellen und in seinem Herzen mit all denen verbunden sein, der Kerzen wir heute entzündet haben, um sich ihrer noch einmal zu erinnern, sie zu Gott zu geben und ihrer zu gedenken:


Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein
Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Amen.

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