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Guten Abend, heute ist der 10. 04. 2020
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Pfarrer Andreas Volke: Predigt am 29. September 2019

Goldkonfirmation und Rückblick auf 50 Jahre Jugendarbeit

© Reinhold_Jenders /pixelio.de

© Reinhold_Jenders /pixelio.de

Pfarrer Andreas Volke Predigt am 29. 9.2019

Goldkonfirmation und Rückblick auf 50 Jahre Jugendarbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Essen Rellinghausen

 Liebe Freunde, liebe wieder „Heimgekehrte“, liebe Jugendliche aus 50 Jahren Gemeindearbeit,  liebe Gottesdienstgemeinde an diesem Sonntagmorgen, für die einen ist es die Goldkonfirmation ist, die heute den Anlass gibt, hier zu sein. Andere sind gekommen, um ein Jubiläum zu feiern, was noch weiter zurückliegt, etwa die „Diamantene“ mit 60 Jahren in einer Verbindung zur evangelischen Kirche.

Dann gehen die Gedanken bei anderen zurück zum „alten“ Jugendhaus bis zu den Anfängen hin, wo Fairy Land und Rock Cafe das Herz noch einmal höher schlagen lassen.

Andere sind hinzugekommen als wir die Jugendgottesdienste dort in der Kapelle gefeiert haben, oder über die ungezählten Freizeiten und Segeltörns, als Teilnehmende wie auch als Leiterinnen und Leiter.

Dann ist da die Abteilung 5 des Weiglehauses zu nennen, wie auch diejenigen heute gekommen sind, die ihren Zivildienst in der Gemeinde gemacht haben.

Was uns heute verbindet, ist die miteinander geteilte Zeit in dieser Gemeinde.

Wir sind Teil ihrer Geschichte geworden und erzählen uns darum heute noch einmal die zugehörigen Geschichten.

 Im Grunde ist es so, dass jeder gewissermaßen noch einmal in seine Jugendzeit zurück geht, dorthin, wo die eigene Spur ihren Abdruck hinterlassen hat. Schaut euch um, da findet ihr die anderen. Nicht wundern, wenn man zweimal hinschauen muss, bis sich das Gesicht von „damals“ einstellt, so wie man sich in Erinnerung geblieben ist. Wenn also jemand nachher fragt: Und, du, bis du nicht der Andreas? Dann muss ich sagen: Ja, das frage ich mich auch immer wieder einmal…

Wir sind weiter gekommen im Leben und müssen zugeben: Es hat auch seinen Preis gehabt. Allenfalls darum kann es noch gehen, ob die Falten, die leichte Graufärbung oder der erweiterte Scheitel über dem Gesicht hart erworbene Trophäen sind, die wir dem Leben abgerungen haben, oder doch eher ungeliebtes Beiwerk, weil man sich im Grunde jünger fühlt, als man aussieht. Ich rate zu ersterem. Jeder Preis, den wir zahlen, hat seinen Wert.

Gleich ob man hier in Rellinghausen seinen Anfang genommen hat, es trifft doch auf uns alle zu, die wir heute zusammen sind. „Unverhofft“ so hieß es am Anfang, unverhofft sind wir reingekommen in dieses Leben. Keiner hat sich da aufgedrängt und wer weiß, was man gesagt hätte, wäre man vorher gefragt worden. Also sind wir da, schließen unsere Kontakte, finden andere, mit denen wir unsere Tage und Nächte teilen, bauen etwas auf, geben es weiter an Kinder und Enkel – und natürlich gibt es Phasen, wo man völlig vergessen kann, dass uns dies alles „auf Zeit“ gegeben ist, was wir unser Leben nennen.

Die Erinnerung aber hält es fest und zeigt uns, was wichtig war. Sie führt uns dahin, wo wir Sinn erfahren haben, weil es gelebt, entdeckt, erstritten und genossen wurde.

In der Erinnerung liegt eine Kraft, die keiner nehmen kann. Gut, dass wir noch einmal in dieses schöne Haus zurückkehren können, das Haus der Kindheit und der Jugend, auch wenn das Jugendhaus selbst da draußen nicht mehr besteht. Es lebt doch weiter in jedem von uns. Wir tragen es im Herzen.

Denn auch davon wird jeder an diesem Tag wissen und sich erinnert fühlen, wo Lebenswege sich zerschlagen haben, wo Menschen, die einmal nahe waren, verloren gegangen sind, wo auch wir anderen, denen wir einmal nahe waren, verloren gegangen sind. Da hat man Abschied nehmen müssen.

Es mag auch sein, dass man an einem solchen Tag unverhofft nach unten in den Keller blickt, wo man länger schon nicht mehr war, weil dort all das liegt, was aus gutem Grund nicht mehr nach oben kommen soll. Es gibt Dinge, bei denen man sich ein Rätsel bleibt. Und  3 anderes bricht von außen in unser Leben ein, macht sich da breit, wo es nicht hingehört und dann heißt es aushalten, aushalten müssen, was nicht auszuhalten geht. Körperliche Leiden sind solche Einbrüche, aber auch Schicksale, die keiner sich aussucht. Es sind nicht nur die gelungenen Dinge und die Erfolge, die uns ausmachen. Es lohnt sich auch dort nach dem Gewinn zu fragen, wo man hart gefordert war und hart an sich hat arbeiten müssen. Wenn also etwas mit Liebe betrachtet werden möchte, dann sind diese Zeiten, die wir unfreiwillig haben meistern müssen, ungern, aber doch mit Gewinn!

 Mit den Jahren weiß man jedenfalls mehr, mehr über sich, mehr auch über die Anderen und vor allem, mehr vom Leben. Jeder von uns ist heute mit reich gefüllten Taschen gekommen. Gut, wenn wir nachher Zeit finden, um davon auszuteilen, was wir entdeckt und erfahren haben auf unserer Reise durch das Leben.

Das große Buch der Geschichten vom Leben ist die Bibel. Ihre Lebensgeschichten, die sie erzählt, finden „unten“ statt, bei Menschen, die zu ihrer Zeit auch einmal so ins Leben gekommen sind, wie wir. Ich weiß von keinem, der im Himmel dabei gesessen hätte, um mitzuschreiben. Aber von unten, da sind es die Erfahrungen mit Gott, die in der Bibel verhandelt werden, wo einer vom anderen nimmt – so wie auch wir durch andere, die vor uns waren, vom Glauben erfahren haben.

So kommt es, dass die Bibel „die andere Sicht“ bereit hält. Das ist eines meiner wichtigsten Worte geworden: Die „andere“ Sicht. Da ist unsere Sicht, die ihr Recht hat. Und da ist diese „andere Sicht“, die die Bibel bereit hält, die wir uns nicht selber geben können. Wir werden es jetzt ausprobieren mit dem Text, der für diesen Sonntag vorgeschlagen ist aus Lukas 10,17-20, wo es heißt:

 Zweiundsiebzig – die je zu zweit ausgesandt worden waren- kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden. Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Dort kommen also -ebenso wie heute bei uns- welche zurück und haben unglaubliche Dinge zu erzählen. Sie kommen mit der Erfahrung, Anteil an Macht gehabt zu haben. Dämonen konnten sie bändigen, böse Geister unter sich bannen und auf Schlangen und Skorpione konnten sie treten. Ich denke, dass wird keiner mit bloßen Füßen getan haben. Warum soll man auch auf Tieren herumtreten! Symbolisch verstanden aber ergibt es einen Sinn:

Dann nämlich haben diese es geschafft, Kämpfe zu gewinnen, die man sonst verliert. In der Versuchung etwa haben sie standhalten können. Ein Beispiel: Wo es um Aufstieg und Karriere ging, bei den Status relevanten Dingen, so denke ich, da haben sie unterscheiden können, was wertvoll ist und was seinen Wert nur im Vergleich zu anderen hat. Sie konnten die Geister und Dämonen bändigen, die immer mehr haben wollen

 Ein junger Vater erzählte hier einmal, als immer wieder die letzte Teamsitzung in der Firma nach 18.00 Uhr gelegt worden sei, dass er lieber nach Hause gehen wollte zu seiner Familie. Da hätte einer gesagt: „Wieso, was willst du denn da? Da kennen sie dich doch schon alle.“ Und er habe geantwortet: „Stimmt. Ich möchte auch, dass das so bleibt!“

 Diese hier haben auch „Macht über alle Gewalt des Feindes“ verspürt. Vielleicht im Kampf mit sich selber um manche Dinge. Vielleicht auch im Kampf mit körperlichen Grenzen. Vielleicht auch damit, tragfähige Maßstäbe zu kennen, die über das hinausführen, was materiell gilt. Den jungen Familien sag ich schon einmal bei der Taufe, wenn es um den Heiligen Geist geht, dass er sehr leicht zu erkennen ist. Bei allem, was aufbaut, was zusammenführt, was tröstet und unsere kreativen Potenziale anspricht. Da ist er zu finden. Da ist Heiliger Geist. Die andere Gesinnung ist die, die kaputt macht. Sie lässt es drauf ankommen, abzugreifen, gleich was danach kommt ohne die Folgen zu bedenken.

Es kann also sein, dass jeder von uns im Rückblick zugeben muss, viel öfter mit beidem zu tun gehabt zu haben. Gut, wenn es zuerst diese starken Kräften waren, die uns der Glaube zuspricht und die er immer wieder neu in uns wecken will.

Im Grunde sagt Jesus seinen Jüngern: Es gibt Besseres als „höher, schneller weiter“. Das hier ist wichtiger: Dass unsere Namen im Himmel geschrieben stehen.

 Da nämlich finden wir eine Antwort darauf, wenn wir bemerken, dass die gelebten Jahre nicht wiederkommen und unsere Lebensspanne immer kürzer wird. Da bleibt ein Trost, wenn das, was heute trägt, einmal nicht mehr tragen kann.

Da gibt es diese „andere“ Sicht, die uns Menschen Würde zuspricht auch in unseren Niederlagen. Eine Würde die zulässt, mit Humor auf die Dellen im Lack zu schauen und auf die nur halb fertig gewordene Gebäude und Fassaden unseres Lebens.

Diesen Humor und diese Gelassenheit, diese heitere Sicht also, die der Glaube zuspricht, diese wünsche ich uns für diesen Tag, dass sie uns dankbar vom eigenen Leben sprechen lässt. Dankbar für das, was geworden ist, was nicht geworden ist und wie es zu alledem gekommen ist. Dann haben wir Anteil an dem, dass unsere Namen im Himmel geschrieben stehen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.

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