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Guten Abend, heute ist der 10. 04. 2020
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Pfarrer Andreas Volke: Predigt am 19. Januar 2020

Die es vorzogen, den billigen Weg zu gehen

© Christina Bieber/ pixelio.de

© Christina Bieber/ pixelio.de

Die es vorzogen, den billigen Weg zu gehen.

 Predigt von Pfarrer Andreas Volke am 19.1.2020 in Essen Rellinghausen

 Aus Jeremia 14

Dies ist das Wort, das der HERR zu Jeremia sagte über die große Dürre: Die Großen schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. 4 Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter. Aber sie sagen: Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willlen! Denn unser Ungehorsam ist zwar groß, womit wir wider dich gesündigt haben. Du aber bist der Trost Israels und unser Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; Also, verlass uns nicht!

Liebe Gemeinde,

da spürt jeder, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wollen Sie es hören? Der alles entscheidende Vers aus Jeremia 14 lautet: So spricht der HERR von diesem Volk: Sie laufen gern hin und her und schonen ihre Füße nicht. Aber der HERR hat kein Gefallen an ihnen, sondern er denkt nun daran ihre Missetat und ihre Sünden heimzusuchen.

Sie hätten sich ihre Gebete sparen also können, diese Bürger Jerusalems, die auf dem Trockenen sitzen. Ihr Gott lässt sich so nicht zu erweichen. Können die Reichen kein Wasser mehr finden, dort gibt es für Arme lange schon keines mehr.

 Was Jeremia, der Prophet, anprangert, ist der billige Weg , den sie wählen, um aus der Not herauszukommen: Die Priester sollen es richten. Dafür gibt es sie schließlich. Ihre Altäre sollen sie anfachen und ordentlich räuchern, dabei die üblichen Klagelieder singen und etwas Einsicht darf auch dabei sein. Aber nicht zu viel. Denn eine solche Dürre können sie sich nur als ein Urteil Gottes erklären. Nur Sünden eingestehen, Namen nennen und ihr Verhalten ändern? Das doch bitte nicht. Noch wird darauf gesetzt, dass der große Regen bald kommen wird. Und dann wird alles weiter gehen, wie zuvor.

 Wem das bekannt vorkommt, der wird auch jene Propheten kennen, die den Menschen Heil verkünden nach dem Motto: „Et häd noch ever jod jejangen“ Trockenheit gab es schließlich früher auch. Vor allem aber: Gott kann sein Volk nicht verlassen. Hat er es sich schließlich erwählt! Die so reden sind die Hofposaunen des Königshauses. Dort befürchtet man länger schon, dass unangenehme Demonstrationen folgen könnten oder gar gewaltsame Verteilungskämpfe, wenn die Not erst einmal richtig durchschlägt. Also streuen sie noch etwas Sand in die trockenen Augen.

 Jeremia hingegen legt den Bund zwischen Gott und seinem Volk von der anderen Seite aus: Zuerst einmal ist dieser Bund eine Verpflichtung des Volkes gegenüber seinem Gott. „Man muss es Gott möglich machen, sein Volk zu retten.“ So seine Rede. Das hört im Palast keiner gerne. Bald schon lässt der König diesen unbequemen Schreihals von der Straße holen und bei Anbruch der Dunkelheit wird er gefesselt in den Stadtbrunnen geworfen. Doch, nun kommt das einzig Gute an der Dürre: Auch der Brunnen hat kein Wasser! So kann sein Diener den Jeremia in der Nacht lebend wieder herausziehen.

Erschreckende Geschichten, die uns das Alte Testament da aufdrängt, (!) weil jeder sofort spürt, dass sie auch heute geschehen. Die Buschfeuer in Australien wegen anhaltender Dürre – nachfolgend Überschwemmungen weil zu viel Regen fällt. Wem fällt da nicht sofort so etwas ein? Oder Venedig, wo die Gondeln seit Tagen Trauer tragen weil sie im Schlamm feststecken. Nach dem extremen Hochwasser ist dort ein extremes Niedrigwasser gefolgt. Alles sehr merkwürdig. Liegt doch das Mittelmeer im Urlaub immer so ruhig da.

Dort, wo ich als Kind und Jugendlicher gelebt habe, im Oberbergischen Kreis, bestand früher die Mutprobe darin, von der Böschung etwa drei Meter über den Bach zu springen ohne nasse Füße zu bekommen. Im letzten Sommer bin ich an einem heißen Tag mit meinem Fahrrad da hin gefahren und finde den Bach nicht mehr. Da floss kein Wasser. Der Bach meiner Kindheit war ausgetrocknet.

Seit wir das Wetter von der App aus dem Handy nehmen, sprechen wir beim Klima nicht mehr von einem Gottesurteil. „Der Mensch“ - das sagt heute so gut wie jeder - „der Mensch zieht sich zu, was er verursacht hat. Diesen „Menschen“ so im Allgemeinen, den würde ich gerne einmal kennenlernen, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Ich hab‘s probiert und heute Morgen beim Rasieren, da hab ich ihn gesehen. Im Spiegel, da hat er mich angeguckt und mir ein paar Fragen gestellt.

Das Weltgericht - wenn es denn kommt, ich stelle es mir nicht mit dem mittelalterlichen Höllenfeuer vor. In meiner Vorstellung wird ein Güterzug vorfahren, dessen Waggons nichts anderes enthalten als meinen Schrott, den ich Jahr für Jahr hinter mich gebracht habe: Die alten Autos, die Kanister für das verfahrene Benzin, die weggeschmissenen Elektrogeräte, die Farbeimer und neuerdings auch die Rechnungen vom Stromversorger. Ich muss erklären, warum das alles nötig war und wenn nein, warum ich es nicht vermieden habe. Das reicht für einen handfesten Alptraum.

 Väter wiederum müssen in diesen Tagen ihren Jugendlichen erklären, die bei Frydays for Future auf die Straße gehen, dass sie das Geld für ihre Familien bei internationalen Firmen verdienen und darum morgen früh in Düsseldorf am Flughafen stehen um zu ihren Geschäftspartnern nach Neu Delhi oder nach Peking zu fliegen. Und das tun viele aus unserem Stadtteil. Andere haben ihre Enkelkinder in Kanada wohnen und werden wohl auch das Flugzeug nehmen, um sie einmal zu besuchen. Wieder andere Elternteile nehmen den Wagen, damit sie als Pendler abends noch etwas von der Familie mitbekommen, ehe die Kleinen im Bett sind. Sie wollen auch im Alltag Teil der Familie sein.

Nun bin ich 1955 geboren und seitdem 65 Jahre in Westdeutschland unterwegs. Das reicht völlig für eine absolut negative Klimabilanz. Ich denke jedoch, auch euch als für das Klima aktive Jugendliche, deren Protest wir doch mit Sympathie unterstützen, euch geht es ebenso, dass jeder seine Plastikspur hinter sich her, jetzt vielleicht durch das Handy, den PC und die Playstation. Und was an Plastik im Meer schwimmt, lag vor nicht langer Zeit noch im Kinderzimmer, schön in Folie verpackt, vielleicht als Geschenk vom Opa.

Die letzten 70 Jahre waren auch jene Zeit, in der zum ersten Mal kein Krieg über unser Land gezogen ist. Der Rhein galt in meiner Kindheit als die größte Kloake Europas. Und ich habe in Köln das grünschwarze Wasser gesehen. Heute ist dieser wunderbare Fluss sauber und es sind wieder Fische drin.

Wir sind an dem Punkt, wo es Zeit wird, eine Brücke zu schlagen zu den Bürgern der Stadt Jerusalem. Wir hatten gesehen, wie sie halbherzige Erklärungen zustande bringen und sich einzig danach sehnen, dass Regen und Schnee zurückkommen, damit man so weiter machen kann, wie zuvor. Jeder Blick in die Bibel zeigt: Da erwartet Gottes Wort doch schon etwas mehr von denen, die ihn den Schöpfer Himmels und der Erden nennen.

Nur, was die Bibel nicht erwartet ist, dass wir die Welt retten. Nein, das erwartet sie nicht! Der Retter der Welt ist Jesus. Wir alle sind nicht Jesus.

 Ich sehe es so: Aufgaben, die man als einzelner nicht erfüllen kann, schlagen in ihr Gegenteil um, wenn man die darin enthaltene Überforderung erkennt. Sie bewirken also Ohnmacht. Irgendwann fällt das Aufbäumen in sich zusammen und macht die Aktiven depressiv. Spielt sich einer als der Retter für alle auf, ist viel Hybris dabei und das führt dazu, dass sonst keiner mitmacht. Mit solchen Rettern entsteht keine Bewegung.

Ich mache mir Sorgen, dass ihr Jugendlichen, die ihr jetzt auf die Straße geht, morgen vielleicht enttäuscht zurückkehrt. Und dann heißt es, wir haben keine Zukunft mehr. Doch, ihr habt eine Zukunft! Und das kann eine gute Zukunft sein, wie wir sie für uns alle wünschen. Darum müssen wir von den starken Kräften sprechen, die uns die Bibel bereit hält. Diese starken Kräfte der Bibel heißen Glaube – Hoffnung und Liebe.

·         Der Glaube sagt uns zu, dass in jedem von uns Lebenskräfte liegen, die sich an unseren Stärken festmachen. Mitten im Leben -so sagt es Bonhoeffer- will Gott uns begegnen, in der Freude, im Glück und bei unseren Potentialen. Auch da, wo jeder in 4 seinem Beruf eine Aufgabe hat. Da können wir vieles ökologisch verträglicher gestalten. Glaube setzt auf Zukunft und hat dabei langen Atem. Glaube gibt nicht auf.

·          Liebe brauchen wir, um zu wissen, wofür wir uns einsetzen. Was man nicht lieb hat, dafür kämpft auch keiner. Liebe zeigt auf, was möglich ist. Wir brauchen aber auch Liebe zu uns in unseren Grenzen.

·          Hoffnung wiederum drängt dahin, Grenzen zu überwinden. Ohne Hoffnung hat man jedenfalls schon aufgegeben vor der Zeit.

 Sehen wir es so, dann ergeben sich daraus andere Gebete. Gott hat nichts davon, wenn wir ihm am Sonntag in unseren Gottesdiensten das Aufgabenverzeichnis vollbeten, damit er es ab Montag abarbeitet, was wir ihm alles aufgetragen haben.

·         Beten wir also „Lieber Gott, mach, dass wir Frieden haben“ – dann darf man auch selbst etwas zu beitragen.

·          Bitten wir darum, dass die Hände nicht so zittrig werden, wenn es darum geht, sein Portemonnaie zu öffnen. Dann lernen wir vielleicht zu teilen. Wir nämlich sagen: glücklich macht, wenn man viel für sich behält um sich damit abzusichern. Die Bibel sagt: Glücklich macht, wenn man gibt und teilt. Dann nämlich erlebt man die Freude über das, was wir bewirken. An dieser Stelle voran zu kommen, dafür kann man beten. Und es wird sich etwas bei uns ändern.

·          Statt zu sagen: Vater im Himmel, hilf unserem kranken Nachbarn“ kann man auch sprechen: „Öffne mir das Herz, das ich gleich einmal selber hingehe und einen Besuch mache“. Denn das hilft ihm sofort.

·          Man kann auch seine Gewohnheiten beim Essen einmal mit Gott besprechen und dann vielleicht dahin finden: „Lass mich jemand sein, der die Tiere leben lässt. Es geht doch auch anders, als immerzu Fleisch zu essen“.

Das kann man beten - solange man nicht von Beruf Metzger ist oder an der Fleischtheke sein Geld verdient. Womit wir auch bei unserem Beten den bleibenden Widerspruch sehen, dass wir allenfalls meinen zu wissen, was gut ist. Aber es gibt kein „reines“ Tun an sich, kein „reines“ Handeln, das nicht auch Widersprüche behält und belastende Auswirkungen auf andere hat.

Gerade so sollen wir als Christen handeln, sagt die Bibel. So sollen wir Jesus nachfolgen, der kein Vegetarier war, froh und gelassen aus unseren Widersprüchen heraus und gerade so Gutes tun und das Beste aus allem machen. Dafür gibt uns die Bibel Glaube, Liebe und Hoffnung in unser Herz.

Amen

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