Aktuelles
Aktuelles
Liturgischer Kalender
Gottesdienste
Gemeindebrief
An(ge)dacht
Predigten
Ausblick: Nachbargemeinden
Wir über uns
Zuhause für alle
Lebensbegleitung
Pfarrer/in
Gottesdienste
Kirchenmusik
Treffpunkt
Engagement
Familien
JIB - Jugendeck
Senioren
Freizeiten
Weltweit verbunden
Faire Welt Laden
Kontakt
Impressum
Datenschutz
SUCHE
Sitemap
Guten Abend, heute ist der 19. 08. 2019
Sie sind hier: Predigtansicht  » 

Pfarrer Andreas Volke: Predigt am 16. Dezember 2018

Das Wunschkind der Elisabeth?

© Viktor Schwabenland / pixelio.de

© Viktor Schwabenland / pixelio.de

Das Wunschkind der Elisabeth?


Hin und wieder nimmt sich der Evangelist Lukas Zeit, um seine Geschichte im Detail zu erzählen. Es ist die Geschichte von Gottes großem Plan, wie das Evangelium bis ins Zentrum der damaligen Welt, nach Rom, gelangen sollte. Allerdings ist dieser Weg steinig. Denn er führt über die Herzen jedes einzelnen Menschen und da ist der Glaube immer wieder eine Vertrauenssache. So auch heute, wenn wir einmal in das Herz eines gewissen Zacharias hineinschauen, der uns als Priester am Jerusalemer Tempel vorgestellt wird.


Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester von der Ordnung Abija mit Namen Zacharias, und seine Frau war von den Töchtern Aaron, die hieß Elisabeth. Sie waren aber alle beide gerecht und fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt. Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war, dass ihn nach dem Brauch der Priesterschaft das Los traf, das Räucheropfer darzubringen; und er ging in den Tempel des Herrn. Und die ganze Menge des Volkes betete draußen zur Stunde des Räucheropfers. Da erschien ihm der Engel des Herrn, der stand an der rechten Seite des Räucheraltars. Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und Furcht überfiel ihn. Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt und meine Frau ist hochbetagt. Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen. Und siehe, du wirst verstummen und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.
Aus Lukas 1


Liebe Gemeinde,
Dieser Engel, der von rechts an den Altar tritt, er erdreistet sich, freudige Nachrichten zu bringen, wo es über Jahre hinweg wehgetan hat, sich die Freude abzuschminken. Unangenehm fühlt sich Zacharias an den wunden Punkt seiner Ehe gebracht. Erst seit sie übereingekommen sind, Elisabeth und er, nicht mehr darüber sprechen zu wollen, da geht es zwischen beiden wieder etwas besser. Denn Sie haben alles probiert. Und gebetet haben sie auch. Und geopfert und sonst was getan, um die Aufmerksamkeit Gottes auf ihr Problem zu lenken: Während all die Gesegneten im Dorf ihre Kinder aufziehen, bleiben ihre Hände leer. Mehr noch: Diese dort, sie merken nicht einmal, wie weh es beiden tut, wenn sie ihnen zuschauen müssen und sich auch noch die Probleme anhören sollen, die man beim Kindererziehen so hat - ohne das eigene Kind.
An den zermürbenden Nächten mit Elisabeth, hat Zacharias das Schweigen gelernt. Warum sie nur die Kinderlose sein muss, sie, Elisabeth von den Töchtern Aarons, die Frau des Priesters Zacharias! Wenn Glaube etwas nützt, warum dann nicht bei ihnen? Letztlich gipfeln solche Auseinandersetzungen darin, dass er, Zacharias der Priester, ja ohnehin nie da sei, wenn es einmal etwas Schönes zu feiern gibt. Dann würde er schließlich in der Stadt sein und im schönen Gewand im Tempel hocken, um für das Volk am Altar herum zu räuchern. Und das alles für den Gott Israels, der für sie nichts übrig hat - außer Schande. Im Übrigen, die Knöpfe am Priesterrock, würden auch von ihr angenäht. Spätestens dann ist der Moment gekommen, wo Zacharias sein Bettzeug nimmt, um draußen unter dem Sternenhimmel zu nächtigen. Und drinnen in der Kammer wird geweint.


Doch jetzt soll dieser Knabe unterwegs sein, von dem niemand etwas weiß? Zacharias bleibt skeptisch.


In der Türkei, dort wo wir mit den Jugendlichen unseren Austausch hatten, in Antakya, da war es die Köchin, eine ganz liebenswerte Christin, deren Kinderwunsch unerfüllt geblieben war. Wie bei Elisabeth stand fest, dass es an ihr liegt und dass letztlich ein göttlicher Fingerzeig nicht von der Hand zu weisen sei. Sie schämte sich, im Dorf die kinderlose Christin zu sein.


Bei den Frauen aus Deutschland suchte sie Rat, auch beim deutschen Pfarrer, ob man nicht mit ihr beten oder sonst etwas dafür tun könne, dass sie, wie die anderen, ein Kind bekäme. Dann hat es all die homöopathischen Tipps gegeben, lange im warmen Wasser baden, Tees trinken und anderes. Alles vergeblich. Leider ließ sich auch nicht sagen: Schau doch in die Bibel, sieh auf Elisabeth und Zacharias. Denn es gab für sie den Engel nicht.


Zacharias aber hat seinen Engel. Wo eigentlich beginnt der Zweifel in Glaubensdingen? Ich frage mich das gerade. Wo liegt die Grenze, ab der nicht mehr nachgefragt werden darf? Ist das schon Zweifel, wenn man die Realität einbezieht, die es doch gibt?


Neun Monate hat Zacharias Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Für ihn gibt es erst einmal Redepause. So erfahren wir auch nicht, wie es denn zu dem Kind in Elisabeths Bauch gekommen ist. Heute sind große medizinische Abteilungen damit beschäftigt durch künstliche Befruchtung junge Paare in dieser Frage zu unterstützen. Das Land wie auch der Bund legen da gerade viel Geld auf. In der Zeitung war davon zu lesen. Ich finde das gut. Im Grunde ist es eine solidarische Aktion aller in der Gesellschaft. Alle zahlen dafür, dass Menschen in ihrem Wunsch nach einem eigenen Kind geholfen wird. Es gibt aber auch die vielen anderen Kinder weltweit, die sich Eltern wünschen. Auch dieser Weg bleibt einem Paar offen.


Zacharias kommt jedenfalls erst acht Tage nach der Geburt wieder ins Spiel, als es um den Namen des Kindes geht. Da schlägt seine Stunde als er vor der versammelten Nachbarschaft auf eine Schiefertafel schreiben darf: „Johannes soll sein Name sein“. Ab da kann er wieder sprechen.


Ist dieser Johannes denn nun das Wunschkind seiner Eltern? Liest man, was im Neuen Testament über ihn geschrieben steht, muss man das klar verneinen. Bereits in der Botschaft des Engels wird deutlich, dass es um einen besonderen Auftrag geht. Denn bald schon wird dieser Johannes einsam in der Wüste leben und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernähren. Da fragt er nicht nach seinen Eltern. Da ist er weg von Zuhause. Bald wird er derjenige sein, der unten am Jordan den reichen Bürgern Jerusalems unflätige Bußpredigten entgegen schleudert, die keiner heute bei einer Taufe zitiert haben will: „Da ist die Axt dem Baum schon an die Wurzel gelegt… und ihr seid dieser Baum!“ Taten will er sehen, Einsicht und Buße.

Werden nicht spätesten jetzt die Leute wieder mit dem Finger zeigen? „Da schaut, das Wunschkind der Elisabeth, der Sohn des Priesters Zacharias!“ Heißt es nicht: Pastors Kinder, Müllers Vieh, geraten selten oder nie? Seht selbst!


Angesichts des kleinen Tannenbaums in unserer Kirche, den die verwaisten Eltern von ihrem Gottesdienst hier bei uns gelassen haben, muss man auch auf sein gewaltsames Ende sehen, Es ist das Schwert des Herodes, an dem Johannes der Täufer sein Leben verliert. Dann säßen Elisabeth und Zacharias als altgewordene Eltern, wie einst meine Mutter, hier unter den jungen Familien in diesem Gottesdienst und schrieben den Namen ihres Johannes auf einen der Sterne.

Keine Frage – es gibt sie, die glücklichen Familien, wo es mit den Kindern gelingt - wir wünschen es allen so. Es gibt ebenso jene Familien, in denen sich keine Wünsche erfüllen, wo die Eltern selber Zuspruch und Unterstützung brauchen, um nicht an ihren Kindern zu verzweifeln. Es gibt die Kinder, die sich wünschen, überhaupt Eltern zu haben. Wieder andere wünsche sich andere, als diejenigen, die ihnen Gewalt antun. Und es gibt die kinderlosen Paare. Alle müssen wir miteinander sagen: Wir haben es doch nicht in unserer Hand. Hier sind wir nicht einfach unseres Glückes eigener Schmid.


Darum möchte ich zum Abschluss noch einmal auf den Engel zu sprechen kommen, so wie ich ihn sehe:


Gleich wie er heißt, niemals ist er der Wünscheengel, der auftaucht und seine Geschenke verteilt. Er ist immer der Bote Gottes, der beruft. Er kommt und fordert einen Dienst. Er beruft zum Dienst an den anderen. Das traut er uns zu: Dass einer dem anderen mit seiner Erfahrung dienen kann, damit es zu einem Ausgleich kommt. Denn jeder hat etwas zu geben. Jeder hat mit seinem Leben etwas beizutragen, auch wo Enttäuschungen uns geprägt haben. Gerade mit einem verletzten Leben -was menschlich schwer zu tragen ist- gibt es doch etwas Besonderes zu sagen und etwas ganz Eigenes zu geben. Keiner muss stumm werden wie Zacharias. Keiner muss sich an den Rand stellen, wie Elisabeth. Es soll zu einem Ausgleich der Gaben kommen zu einem Austausch unserer Erfahrungen, zu einem gemeinsamen Fragen nach dem Sinn.


Dann ist der Weg bereitet, dass wir nun auch miteinander unseren dritten Advent feiern als Gleiche und Freie, frei auch von unseren Lasten. Denn das „Licht aus der Höhe“ wie Zacharias den kommen Christus nennt, er möchte uns besuchen. Dort will er uns berühren, wo wir mit unserem Leben in der Finsternis sitzen, damit sein Licht auch unsere Füße auf den Weg des Friedens lenkt.
Amen

Nach oben