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Pfarrer Andreas Volke: Predigt am 14. Januar 2018

Die an den Esel glauben?

© BettinaF / pixelio.de

© BettinaF / pixelio.de

Die an den Esel glauben?
Predigt von
Pfarrer Andreas Volke
am 14.1.2018
in Essen-Rellinghausen


Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten.
Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.
Von Weisheit reden wir aber doch unter den Vollkommenen; nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.


Liebe Gemeinde,
wenn bei einem Empfang jemand aufsteht und seine Rede damit beginnt, dass er eigentlich gar nicht lange reden will, sondern nur ganz kurz die besten Grüße übermittelt werden sollen, dann weiß man schon: O das kann jetzt lange dauern. Da sind schon diese ersten Worte zu viel.


So mag es uns gerade beim Apostel Paulus gegangen sein, dessen Rede auch immer länger und komplizierter wird, obwohl er doch ganz einfach mit einem Rückblick beginnt. Er stellt die ersten Begegnungen noch einmal vor Augen, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass dort in der Hafenstadt Korinth, dem allgemein bekannten „St.Pauli“ der Antike, eine christliche Gemeinde entstand.


Große Worte, intellektuell hochtrabende Gedanken, lange Reden, das alles können es nicht gewesen sein, was in dieser Stadt Hafenarbeiter, Sklaven und solche angezogen hat, die sich gesellschaftlich am Boden und abgehängt sahen. Dazu die Frauen, die sich trauen, heimlich von ihren Männern weg abends zu den Treffen zu kommen. Auch solche sind dabei, die oben am Tempel der Aphrodite den weitgereisten Männern ihre Dienste anbieten, Männer aus allen Gegenden, die quasi heutigen Sextouristen gleich, in die Stadt gekommen sind. Hier unten in der Gemeinde der Jesusleute, da nennen sie sich alle Brüder und Schwestern. Hier atmen sie auf. Hier wird respektvoll miteinander umgegangen. Hier sehen sich als Freie und Gleiche an. Paulus schreibt einmal davon: Da gilt nicht mehr Jude oder Grieche, nicht Sklave oder Freier, nicht Mann oder Frau – alle sind wir eins in Jesus Christus.

Das Wort vom Kreuz ist das Verbindende. Denn tagsüber hat jeder genug an seinem eigenen Kreuz zu tragen. Darum ist ihnen Christus, der Gekreuzigte so nah.
Jeder weiß, dass sie eigentlich etwas ganz und gar Unglaubliches glauben. Und wenn sie mit anderen reden, dann ist das häufig die Reaktion: Wie, Ihr glaubt neuerdings an einen Gekreuzigten? Es gibt eine antike Karikatur, ein Graffiti von Alexamenos, einem Jungen, der vermutlich in einem Internat lebt, dessen Eltern Christen sind. Ihm hat man über sein Bett ein Kreuz an die Wand gemalt, an dem ein großer Esel hängt. Die Inschrift lautet: Alexamenos lebete theon! Alexamenos betet zu seinem Gott!
Der Gekreuzigte ist für sie keine „Heiligenfigur, die wie in den Alpen an jeder Wegkreuzung steht und leidend grüßt. Das Wort vom Kreuz ist auch nicht für irgendeine neue Frömmigkeit zuständig. Denn Religion gibt es um sie herum genug, so wie heute auch. Die ganze Stadt ist ja voller Tempel. An jedem lässt sich irgendein Lebensbedürfnis abgleichen: Bewahrung bei Reisen, Gesundheit und Fitness, Ängste vor der Zukunft, Erfolg in der Schule und im Beruf. Doch an den Tempeln wird erst einmal die Hand aufgehalten. Ohne Geld kein Opfer und kein Segen. Nach der Zahlung bequemt sich einer der Priester dazu, ein Opfer zu bereiten und im Rauch ein paar unverständliche Worte gen Himmel zu senden.


Das Wort vom Kreuz aber sagt: Er hat für uns bezahlt. Er kam, lebte und starb für uns. Und alles ist erfüllt und getan. Da kommt keine Rechnung nach. Keiner muss sich nach oben recken hin zu der Welt der Götter. Gott, der einzige von allen, der lebendig ist, weil er mit seiner Kraft in uns lebt, er kommt selbst herunter und richtet auf, die sich an ihn halten, alle, die ihn lieben. Also nennen sie sich dort in Korinth, Gottes Kinder.
Es gibt bei ihnen ein Geheimwort. Spricht es einer an, dann hellen sich die Gesichter auf und die Augen fangen an zu leuchten. Es heißt: Das große „JA“. Sie alle tragen es in sich, diese große „ JA“. Die Arbeiter vom Hafen, die man irgendwo in Nordafrika zu Sklaven gemacht hat, die Frauen oben vom Tempel der Aphrodite, die auch wie Sklavinnen gehalten werden, die Gastgeber bei den abendlichen Treffen, die zur bürgerlichen Gesellschaft gehören, sie alle wissen, dass der Glaube ihnen dieses große „JA“ ins Herz gelegt hat. Es ist das große „JA“ Gottes, das ihnen Würde gibt und Lebenskraft.


Denn sie sehen Jesus als einen von ihnen. Seine Worte tun gut. In seinen Geschichten finden sie sich wieder. Kranke, Geschundene, alle, die mit ihren Ängsten zu Jesus kommen, das sind im Grunde auch sie. Jetzt, wo sie bei ihren abendlichen Treffen den Auferstandenen in ihren Liedern besingen, finden sie auch zu einer ganz andere Antwort auf das Sterben. Da wird auch bei ihren Treffen drüber gesprochen. Sie gehören jetzt zum lebendigen Gott. Für sie ist gesorgt. Da gibt es das Haus mit den vielen Wohnungen, wie es Jesus sagt und eine davon ist für sie gemacht. Auch für die bereits Verstorbenen ist bei Gott gesorgt. Sie sind, in seiner Liebe geborgen. Das gibt eine große innere Freiheit, ein weites Herz für die Liebe und daraus erwächst neue Kraft und Zuver-sicht zum Leben.


Jesus sitzt am Tisch mit Sündern und Zöllnern. Jesus geht in das Haus des Pharisäers und eine Pro-stituierte betritt den Saal um sich mit ihren Tränen zu seinen Füßen zu setzen. Das trifft voll in ihre Lebenswelt. Da ist Jesus, der für den zwielichtigen Zachäus etwas übrig hat. Da wird vom verlorenen Sohn erzählt, wie er in die weiten Arme des Vaters zurückfindet. Das trifft auf ihre Sehnsucht. Sind sie nicht auch solche verlorenen Töchter und Söhne?

Für Paulus aber heißt das alles „Wort vom Kreuz“ . Er ist Theologe. Er hat etwas übrig für abstrakte Begrifflichkeit. Aber er sieht auch die andere Seite. Nämlich, dass der Glaube eine unsichtbare, verborgene Seite hat, eine, die man nicht einfach mit bildstarken Geschichten vom Leben erschließen kann. Da stößt man unmittelbar an Gottes Geheimnis. Hinter den Dingen, die wir sehen, liegt eine höchst wirksame, aber verborgene Geisteskraft, die alles bewirkt. Also spricht er davon, dass sie dort in Korinth alle miteinander den „Erweis des Geistes und der Kraft“ erfahren hätten und dass diese Weisheit weit mächtiger wäre, als alle Macht der Mächtigen in dieser Welt.
Ob sie das auch so sehen dort in Korinth? Ob sie es überhaupt brauchen für ihren Glauben und ihre Gemeinschaft? Hier zeigt sich ein sichtbarer Dissens, ein Bruch der bis hin zum Zerwürfnis das Verhältnis zwischen Paulus und seinen Gemeinden durchzieht. Hin und wieder kommt Paulus selbst auf dieses Missverhältnis zu sprechen. In einem später verfassten Brief, dem sogenannten „Tränenbrief“, einer emotional aufgeladenen Wutrede zitiert er jene, die ihm überall nachreisen und als sogenannte Apostel Jesus Christi meinen, den gerade gegründeten Gemeinden Nachhilfe erteilen zu müssen über das, was Paulus ihnen Falsches mitgegeben hat. Da schreibt er über die, „die alles verdrehen: Man soll nur nicht meinen, wie diese sagen: „Seine Briefe wiegen schwer und sind stark; aber wenn er selbst anwesend ist, so ist er ja doch schwach und seine Rede ist kläglich“ Nein, er kann auch anders und so, wie sein Wort in den Briefen wirke, so wäre er auch jederzeit in der Lage, als Anwesender wirksam und mächtig zu sein mit der Tat.


Und dann zählt Paulus auch schon einmal auf, was er auf sich nimmt für seine Mission und wo ihn der Glaube bis an den Rand seiner Existenz gebracht hat: Nämlich in seinen Ängsten bei den langen Schiffsreisen, in seinem Durst auf den langen Fußmärschen, in seinen Gefahren und Nöten, wenn man ihn wieder einmal verhaftet hat. Dreimal, so schreibt er, habe er die „40-1“ erhalten, was schlicht 39 Peitschenhiebe meint. Einmal, so sagt er, wäre er sogar gesteinigt worden und gerade noch mit dem Leben davon gekommen. Wer nimmt so etwas auf sich, wenn da nicht eine Kraft dahintersteckt, von der er weiß?


Intellektuell weit oben, steht Paulus selbst existentiell auch unten, ganz bei denen, die das Wort vom Kreuz als Gottes Kraft erfahren, weil sie Jesus geradezu körperlich bei sich wissen. Paulus noch viel mehr. All seine Nöte sieht er als die „Kreuzesschmerzen Christi“ an seinem eigenen Leib.


So schreibt er rückblickend von den Anfängen in Korinth: War ich selbst doch auch in Schwachheit bei euch, und in Furcht und mit großem Zittern; Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit Überredungskunst und nicht mit künstlichen Worten der Weisheit, sondern allein im Erweis des Geistes und der Kraft,
Diese Geisteskraft hat die Eigenschaft, einem Menschen zu sagen: Du kannst schwach sein – aber gerade wenn du schwach bist, dann bist du stark. Der Glaube gibt dir von der Kraft, die aus dem großen JA kommt. Immer dann, wenn du sie brauchst. Paulus nennt das alles „Weisheit von Gott“ Und schreibt dazu: Wir reden von dem, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.«


Lassen Sie doch auch Liebe dabei sein, wenn Sie in diesem Jahr die Worte der Bibel zu sich holen. Liebe öffnet der Bibel das Ohr und lässt ihre Worte freundlich mit uns sprechen. Sie heben auch uns von unten empor.


Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen

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