„Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben…“

© Petra Hegewald / pixelio.de
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Nur selten hat ein so altes Lied unser heutiges Lebensgefühl so gut beschrieben, wie dieses, das Paul Gerhard etwa um 1653 gedichtet hat. Hinausgehen, das war in den vergangenen Wochen nur unter großen Einschränkungen möglich. Und auch die Sommerzeit wird eine ganz andere werden. Geplante Urlaube, Fahrten und Freizeiten sind abgesagt, ebenso alle Festivals und Events, was aus der Freiluft Gastronomie wird weiß niemand. Die Unbeschwertheit ist großer Unsicherheit und Sorge gewichen.

Wohl denen, die wie Paul Gerhardt wenigstens der „Gärten Zier“ bleibt. Und die Natur freut sich nicht nur darüber, dass wir sie weniger belasten, sondern auch, wenn mehr Zeit war, sich um der Gärten Zier zu kümmern.

Paul Gerhardt kennt die Welt als Kriegsund Seuchenschauplatz und doch singt er davon, durch sie wie durch einen blühenden Garten zu wandern. Er freut sich am Grün der Bäume, an Narzissen und Tulpen, verfolgt den Flug von Lerchen und Tauben, hört die Nachtigall und beobachtet die Bienen.

Von einem ähnlich intensiven Wahrnehmen können auch wir alle erzählen. Die Wochen haben eine andere Achtsamkeit hervor gebracht, haben auch unseren Blick geschärft. Eine Videozusammenschaltung ersetzt nicht den körperlichen Kontakt, wir spüren deutlicher, wen wir vermissen und wen wir lieben. Das sichere Einkommen, das gute Gesundheitssystem und überhaupt gesund geblieben zu sein – wir erkennen, dass das nicht selbstverständlich ist. Und so entsteht bei vielen eine neue Dankbarkeit. Gegenüber denen, die für uns arbeiten, gegenüber denen, die sich um uns sorgen, gegenüber dem, was uns geschenkt ist. Alles das erscheint in einem anderen Licht.

Und wir haben neue Möglichkeiten gefunden, miteinander in Kontakt zu bleiben, uns gemeinsam den Herausforderungen zu stellen, zu ermutigen und aufzurichten.

Und das gilt auch für unsere Gemeinde und unseren Glauben. Die Schließung des Gemeindezentrums, das Verbot von Gottesdiensten waren schmerzliche Einschnitte. Doch die Gruppen haben versucht auf andere Weise Kontakt zu einander zu halten, unsere Offene Kirche wurde als Ort der Stärkung und Begegnung (nicht nur mit Gott) dankbar aufgesucht. Und an Ostern wurde es für viele besonders spürbar, die Kraft, die Ermutigung, die Gemeinschaft, die wir im Glauben haben und miteinander teilen.

Dazu ruft auch Paul Gerhardt in den weiteren Strophen seines Liedes auf. Die Zuversicht zu behalten, sich an dem zu freuen, was wir haben und: Zu blühen, mit den Gaben und Fähigkeiten, die uns gegeben sind, im übertragenen Sinne gute Pflanzen und gute Bäume zu werden. Hören, singen, halten wir das im Herzen fest und geben es weiter: „Geh aus, mein Herz und suche Freud…“

Das ist es, was wir am dringendsten brauchen. In diesem Sinne Ihnen alle eine segensreiche Sommerzeit!

Ihr Pfarrer Markus Söffge