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Guten Morgen, heute ist der 26. 10. 2020
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Gedanken zum Erntedankfest

© Christina Bieber/ pixelio.de
© Christina Bieber/ pixelio.de

Obwohl wir keine ländliche Gegend sind und bei uns keine geschmückten Erntewagen durchs Dorf fahren, gehört das Erntedankfest nach wie vor zu den Festen, die bei uns in besonderer Weise begangen werden. Die Ursprünge dieses Festes reichen weit zurück in die Zeit des antiken Griechenlands, des römischen Reiches und auch im Judentum ist es fest verankert. Als Laubhüttenfest wurde es traditionell im Herbst zum Abschluss des Erntejahres gefeiert und diese Tradition wurde auch vom Christentum übernommen.

Erntedank ist in erste Linie ein Fest der Dankbarkeit für die Gaben der Schöpfung und der Ernte.

Doch die Erntegaben auf dem Altar stehen für viel mehr. Auch dafür, zu erkennen, dass ich das, was ich habe, eben nicht selbst verdienen kann, auch wenn ich dafür arbeite, sondern dass das Meiste davon Geschenk ist. Je mehr wir uns das bewusst machen, umso klarer wird, dass wir damit auch eine besondere Verantwortung haben.

In unserer globalisierten Welt heißt das auch, dass unsere Verantwortung nicht in Essen oder Deutschland endet, sondern darüber hinaus geht.Genau genommen gibt es keinen Lebensbereich, der davon ausgenommen sein darf. Pflanzenschutz, Tierwohl und Arterhaltung, gesunde Lebensmittel, Kleidung, Handy und Elektronik, Stromerzeugung, Autos und Mobilität, bis hin zu den Arbeitsbedingungen, die auf der anderen Seite der Erde herrschen.

Wer einmal mit der Aufzählung beginnt, wird kein Ende finden, zu umfangreich ist, wofür wir Verantwortung tragen. Diese Fülle an Verantwortung kann auch lähmen. Niemand kann gleichzeitig Mitglied bei Greenpeace, Amnesty International, Unicef und dem Roten Kreuz sein. Und unserer Möglichkeiten sind verschieden. „Wer viel hat, von dem wird viel gefordert werden“, so hat es Jesus den Menschen seiner Zeit ins Stammbuch geschrieben.

Ich trage Verantwortung für vieles, aber ich kann alleine nicht die Welt retten. Aber schon das Bewusstsein zu schärfen, genauer hinzuschauen, wo das Kobalt für mein Mobiltelefon her kommt, wer meine Kleidung näht, welchen Weg das Obst genommen hat, das ich esse, darauf kommt es an. Und daran werden wir am Erntedankfest erinnert. Wir dürfen dankbar sein und feiern, so vieles ist uns geschenkt. Und wir nehmen Verantwortung wahr, als einzelne Menschen und durch unsere demokratischen Möglichkeiten auch als Wählerinnen und Wähler.

In den letzten Monaten der Coronakrise hat sich mein Blick noch einmal in eine andere Richtung geschärft. Vieles, das selbstverständlich war, ist nicht mehr möglich. Deshalb lege ich mit besonderer Dankbarkeit auch diese Gaben mit auf den Altar: dass ich gesund bin, jede Umarmung, meinen Garten, die Arbeit aller in den Bereichen, die lebensnotwendig sind, die Offene Kirche, die Gemeinschaft im Kleinen, dass ich hinter der Maske viel deutlicher die freundlichen Augen erkenne, die digitalen Möglichkeiten der Zoom-Konferenzen, die materielle Fülle und gute Gesundheitsversorgung in unserem Land, die Musik und Kreativität, die vieles trotz Krise ermöglichen.

Gut, wenn auch diese Aufzählung kein Ende findet.

Dank sei Menschen und Dank sei Gott dafür.

Ihr Pfarrer Markus Söffge