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Guten Tag, heute ist der 25. 05. 2018
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Ich denk' an dich!
Jeden Morgen stehe ich vor dieser Tür.

Dahinter ist meine einjährige Tochter und schreit.
Und ich stehe da und weiß nicht mehr: Tue ich das Richtige?

Ich will wieder reingehen und zu meiner Tochter sagen: Ich bin doch da, ich vergesse dich doch nicht!

Vielleicht kennen Sie das:

Man möchte sein Kind am liebsten gar nicht hergeben. Es ist so schön, zu sehen, wie es spielt und lernt. Man möchte ja auch aufpassen und das Kind beschützen. Aber man muss dem Kind auch etwas zutrauen. Es geht nicht anders. Es muss lernen, erste eigene Schrittchen zu machen. Es darf die Welt entdecken. Eltern wissen: Es ist nötig, das Kind immer mehr loszulassen; aber es ist schwer, sich zurückzunehmen. Ein Kind weiß ja auch noch nicht, dass es gut ist, wenn ich es der Tagesmutter gebe und dann weggehe. Es hat keine Ahnung davon, dass es später mal Verantwortung übernehmen muss, dass es sein Leben gestalten muss, dass es Dinge allein schaffen muss.

Es fühlt sich allein und verlassen.

Und wir Erwachsenen?

Fühlen uns immer noch manchmal verlassen. Auch von Gott.

In Psalm 8, Vers 5 steht:
Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst?

Ja, wer sind wir denn eigentlich? Kleine Menschen, die sich unheimlich wichtig nehmen.

Aber diese Frage in der Bibel geht davon aus, eigentlich unfassbar, dass Gott – Gott! – an uns Menschen denkt. Er ist der Schöpfer des Universums, der Einzige mit Überblick
über diesen ganzen Haufen Welt und er interessiert sich auch noch dafür.

Und ich denke unverschämter Weise: Dass Gott an mich denkt, ist aber ziemlich wenig. Immerhin ist Gott weder zu sehen noch zu hören. Und mein Leben, mit allem Schmerz und allen Schwierigkeiten muss gelebt werden. Dass einer
an mich denkt, hilft mir da auch nicht. Oder?

Vielleicht erinnern Sie sich an Herausforderungen Ihres Lebens. Die Sachen, die sie bewältigt haben; und das, was sie zu überwältigen drohte.

Und vielleicht fallen Ihnen sofort die Menschen ein, die in diesen Zeiten für Sie da waren. Deren „Ich denk an dich“ ernst gemeint war. Die Sie begleitet haben und noch begleiten.


Aus solchen Erfahrungen heraus kann ich sagen: Wenn einer an mich denkt, hilft mir das schon.

Wenigstens zu wissen, dass da jemand an mich denkt, gibt mir Kraft. Klar muss ich trotzdem manches alleine schaffen. Aber wer sich durch andere getragen weiß, ist
zuversichtlicher. Wir Menschen sind ja nicht nur rational, sondern auch emotional. Es tut uns gut, zu wissen, dass jemand an uns denkt.

Weil wir wissen: Da ist jemand, der sofort kommt und mir hilft, wenn ich ihn rufe. Jemand, der mir beisteht. Aber diese Hilfe im Hintergrund bemuttert oder bevormundet
nicht. Sondern gibt mir Verantwortung, traut mir etwas zu. Das ist auch in diesem Psalmvers gemeint. Gott denkt an uns, das ist großartig!
Gott, der Schöpfer dieser ganzen Welt, denkt an mich.

Ich bin ihm nicht egal. Keine Ahnung warum, ich bin den meisten Menschen egal, aber Gott, der denkt an mich.

Und mehr noch:

„Du hast ihn [den Menschen] wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.“
(Psalm 8, Verse 6 & 7)


Gott, der uns gemacht hat, stattet uns aus mit Würde, mit Herrlichkeit. Er stellt uns nicht einfach irgendwo ab, sondern beschenkt uns auch noch. Er vertraut uns seine Erde an, er vertraut uns einander an.


Für mich heißt das: Wir sollen gestalten. Unser Leben, unsere Gemeinde, unsere Familien und Freundschaften.Es ist gut, dass Gott uns was zutraut. Dass er alles unter
unsere Füße getan hat, damit wir damit umgehen dürfen.
Damit wir daran Verantwortung lernen. Damit wir herausfinden, wer und was wir sind. Damit wir selber erste eigene Schritte machen, so wie mein Kind bei der Tagesmutter.
Dass Gott uns Freiheit gibt, bedeutet auch, dass er sich zurücknimmt. Gott lässt uns machen. Er traut uns etwas zu. Und wir dürfen wissen: Wenn wir ihn brauchen und nach ihm rufen, ist er sofort da.
Und unter all das setzt er sein ernst gemeintes:
Und ich denke an dich.

Aus Liebe gesprochen. Das ist etwas wahrhaft Gutes.
Pfarrerin Tabea Meyer

 

 

 

Auf den Kopf gestellt

© Paul Georg Meister / pixelio.de
© Paul Georg Meister / pixelio.de

Besuchen wird uns das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.


Lukas-Evangelium Kapitel 1, Vers 78/79 – Monatsspruch Dezember


Ich habe ein Problem mit der Bibel. Obwohl ich Pfarrer bin. Oder vielleicht gerade deswegen. Klar, ich lese die Bibel, unterrichte sie sogar. Aber ich bin nun einmal kein hebräischer Sklave, der in Ägypten Akkordarbeit leisten muss. Ich bin kein Judäer, der nach verlorenem Krieg nach Babylon deportiert wird. Ich bin kein Jude des ersten Jahrhunderts, der unter römischer Besatzung lebt.

Aus der Erfahrungswelt dieser Leute heraus ist die Bibel geschrieben. Aber das ist nicht meine Welt. Ich bin männlich, weiß, Akademiker und Staatsbürger einer der führenden Wirtschaftsnationen. Müsste ich mich in die Welt der Bibel einsortieren, wäre ich ein Beamter am Hof des Pharao, ein Geschichtsschreiber im Auftrag des babylonischen Großkönigs oder ein Schriftgelehrter am Tempel in Jerusalem, also nah am Zentrum der Macht und weit oben auf der sozialen Leiter.

Aber ich möchte die Bibel lesen und erwarte, dass sie zu mir spricht. Das ist ein Problem.

Jede Erzählung hat einen sozialen Standpunkt, von dem aus sie erzählt wird. Meist stammt Geschichtsschreibung aus der Feder der Sieger.
Das Erstaunliche an der Bibel ist aber: Sie erzählt aus der Perspektive der kleinen Leute, der Armen, der unter die Räder Gekommenen, derer, die nur mit Mühe überlebt
haben und wie durch ein Wunder gerettet wurden. Die Geschichte von Ägypten, erzählt aus der Sicht der Sklaven; die Geschichte Babylons aus der Perspektive der Verschleppten; das Imperium des Kaisers Augustus aus den Augen der Hirten von Bethlehem.

Stellen Sie sich vor, die Geschichte Amerikas wäre aus der Perspektive der Cherokee-Indianer geschrieben oder die Geschichte Deutschlands von Auschwitz-Überlebenden!
So ist die Bibel.

Sie hält die Hoffnung wach, die Advents-Hoffnung, dass die Sonne aufgeht für die, die im Schatten des Todes leben. Dass da noch etwas kommt, das alles auf den Kopf stellt. Dass es nicht mehr heißt: America first, sondern: Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Da bleibt mir nur eins: Ich muss die Bibel lesen, als würde ich auf dem Kopf stehen. Die Bibel macht mich bescheiden, sie relativiert meinen sozialen Standpunkt. Sie lädt
mich ein, mich zu Weihnachten hintenanzustellen – in die lange Schlange derer, denen das Licht ins Dunkel scheint. Hinter die Hirten von Bethlehem, hinter die Vertriebenen und zu Unrecht Eingesperrten, hinter die, die immer noch um Arbeit anstehen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Gotthard Oblau